Übers Rondane nach Alvdal und das erste Depotpaket

Der Ruhetag auf der Gjendesheim tat so richtig gut. Draussen stürmte und regnete es und ich sass schön im Aufenthaltsraum am Fenster und schaute mir das Mistwetter bei Kaffee und Waffel an.

Am Tag darauf sah das Wetter wieder freundlicher aus und ich machte mich ausgeruht auf den Weg in das Sikkilsdalen. Dies war vom Gjende der effektivste Weg in Richtung Vinstra.

Ich folgte der Strasse bis zur Einmündung zur Hauptstrasse 51. Dort gegenüber lag der Maurvangen Camping. Von dort sollte dann der Wanderweg in Richtung Sikkilsdalen gehen. Zu meiner Verwunderung und ich musste noch aus Unsicherheit an der Rezeption des Campings fragen, führte der DNT Pfad tatsächlich einmal kreuz und quer über den Campingplatz.

Nachdem ich dann quer über den Platz in den hintersten Winkel gelatscht war, ging dort in der Tat der Wanderweg weiter.

Der Weg schlängelte sich sanft den Hang zwischen Wochenendhäuschen hinauf bis hin zu einer natürlichen Aussichtsplattform. Von hier hatte man nun das komplette Sjodalen im Blick. Rechts vor mir im Tal lag die Bessheim Turisthytte und dahinter strömte die Bessa vom Bessvatnet zu Tale. Links lag der Maurvangen Campingplatz und dahinter öffnete sich das Tal des Gjendesees. Dort oben kam ich auch mit vier deutschen ins Gespräch. Auf die Frage wo ich hin wolle und ich das Nordkapp erwähnte, wollten sie alles wissen und wir redeten fast eine Stunde.

Nach einer guten halben Stunde stand ich am Sikkilsdalsskardet, dem Übergang hinunter ins Sikkilsdalen und dem Øvre Sikkilsdalsvatnet.

Es ging durch Birkenwald hinunter an den See. Der Abstieg hatte zwar ein paar miese Stellen, aber man kam ganz gut runter. Dort unten stand ich dann auf einer grossen Grasbewachsenen Lichtung. Man hätte eine Wasserwaage auslegen können so gerade war die Wiese. Ich überlegte kurz ob ich nicht mein Lager hier aufschlagen solle. Die Idee hatten vor mir wohl auch schon einige andere. Überall waren Feuerstellen zu sehen.

Aber nein! Ich kann ja nicht schon nach knapp neun Kilometern den Tag beenden. Also ging es weiter entlang des Sees. Kilometer um Kilometer lief ich durch Birkenwald mit Wildblumen bis zur Hüfte. Es war einfach traumhaft zu laufen.

Die einzige unschöne Passage stellte ein riesiges Geröllfeld dar, wobei mancher Brocken die Grösse von einem Traktor hatte.

Nachdem ich dort durch war, lief es wieder wie am Schnürchen durch Wald und über Wiese. Und so kam ich am frühen Nachmittag an der Sikkilsdalsseter an, wo ich eine Pause einlegte. Kurz vorher gab es wieder genügend Lagerplätze wo man den Tag hätte beschliessen können. Ich entschied mich dazu noch weiter zu laufen. Bis Skåbu wären es noch 23 Kilometer und irgendwo auf halben Wege würde ich sicherlich was finden wo man das Zelt aufstellen kann. So folgte ich der Strasse hinunter. Irgendwann gegen 18 Uhr musste ich dann feststellen das es sich mit den Lagerplätzen erledigt hatte. Dafür bekam ich nun Gesellschaft in Form von kleinen schwarzen Plagegeistern. Ganze Schwärme waren mir auf den Fersen. Nur Autan hielt sie ein wenig auf Abstand. Aber der Schutz währte leider nie lange und die kleinen Biester fanden immer wieder einen Weg zu einer ungeschützten Stelle.

Um halb neun am Abend erreichte ich den Camping Skåbu Hyttegrend. Laut Schild an der Rezeption sollte diese bis um 21 Uhr besetzt sein. Aber niemand war da.

Also baute ich mein Zelt auf der Wiese hinter der Rezeption auf, kochte noch eine Kleinigkeit und verkroch mich in den Schlafsack. Früh am morgen trommelte der Regen auf mein Zelt und als ich den Reissverschluss öffnete und raus schaute war fast Land unter angesagt. Ne bei dem Wetter laufe ich heute nicht weiter und so verkroch ich mich wieder in meine Daunentüte. Um neun war es noch immer so am schütten und ich beschloss einen zusätzlichen Ruhetag hier auf dem Camping einzulegen.

Ich verbrachte den gesamten Tag faul im Aufenthaltsraum auf dem Sofa und bewegte mich nur um mir was zu trinken zu machen.

Am Tag drauf sah das Wetter wieder besser aus und ich setzte meinen Weg nach Vinstra fort. Die gesamte Zeit konnte man hinüber ins Gudbrandsdalen schauen und man konnte erahnen wo man hin will.

So schlängelte sich die Strasse hinunter in das Tal und gegen Abend kam ich dan in Vinstra an. Aus Mangel an Alternativen bezog ich ein Zimmer im Vinstra Hostel. Nicht ganz billig, aber modern eingerichtet, mit kostenloser Waschmaschine und Fernsehen mit Netflix. Und so fand ich mich am Abend mit einer Dose Bier und Sørlands Chips auf dem Sofa wieder.

Am nächsten morgen machte ich mich noch auf den Weg in den Sport 1 in Vinstra. Meine Isomatte machte nun schon seit der letzten Nacht in der Hardangervidda Probleme. Und nachdem ich auf dem Camping nachts drei mal die Matte wieder aufpumpen musste, entschied ich mich zum kauf einer neuen. Eine bereit liegende Ersatzmatte aus Deutschland einfliegen zu lassen wäre auch quatsch gewesen.

Um halb elf hatte ich den Rucksack auf den Rücken, eine neue Matte darin und machte mich auf den Weg in das Rondane. Ich folgte den Serpentinen hinauf auf das Tjønnsæterfjellet. Der Wind legte hier oben ordentlich zu und ich war froh darüber das ich gerade angeschoben wurde. Dann ging es nochmals höher über den Krøkla hinweg. Hier auf dem höchsten Punkt hatte man eine Aussicht die sich kaum beschreiben lässt. Der Wind schubste einen hier oben nur durch die Gegend, aber dieses Panorama musste man einfach auf sich wirken lassen.

Links lagen die Gipfel des Zentral-Rondane mit Storronden, Rondslottet und Veslsvulten undnach rechts die kleineren Gipfel Hornflågen, Geitsida, Store Ramshøgda und Muen. Und ich sah die Strasse die ich hinunter ins Fiskdalen und nach Frydalen laufen musste.

Je tiefer ich nun kam um so windstiller wurde es und ich folgte der Strasse weiter nach Femre und Indre Fiskedalen und ich stand bald vor der Abzweigung zu dem Pfad den ich in Richtung Eldåbu nehmen wollte. Der dort arbeitende Landwirt bestätigte mir das ich wenn ich dem Weg folge auf den DNT Hauptweg zur Hütte kommen würde.

Also hinein in den Birkenwald und immer schön Bergauf. Alles was ich mich in den letzten zwei Stunden hinunter gearbeitet hatte, konnte ich nun wieder aufsteigen. Als ich dann oberhalb der Baumgrenze und am markierten DNT Weg ankam, konnte ich in der Ferne bereits die Eldåbu sehen. Von hier konnte man das gesamte Tal überblicken, bis hinüber zum Krøkla, den ich noch am Nachmittag abgestiegen war.

Nach einer knappen weiteren Stunde stand ich dann vor der DNT-Hütte. Im inneren war bereits der Ofen an und zwei norwegische Senioren sassen gerade beim Abendbrot.

Die beiden hatten wie für den nächsten Tag die Bjørnhollia Turisthytte im Visier und so starteten wir am nächsten morgen im Abstand einer halben Stunde zueinander.

Der Weg war durchweg mit Steinen durchsetzt und machte die 15 Kilometer lange Strecke nicht sonderlich reizvoll. Irgendwie komme ich mit diesem Untergrund nicht gut klar und mir schmerzen nach kurzer Zeit auch gleich die Füsse.

Zumindest blieben grössere Anstiege aus und ab der zweiten hälfte des Weges wurde die Aussicht schöner.

Und um kurz vor 15 Uhr erreichte ich dann die Bjørnhollia und quartierte mich auf dieser schönen Hütte für den Abend ein.

Spät am Abend, so gegen 23 Uhr, wurde ich von lauten gepolter im Flur geweckt. Da kommen doch noch zwei Wanderer rein, aber leise sind sie nicht und tun mit ihrem krach so als ob sie alleine wären. Nachdem die Hüttentür zum dritten oder vierten Male mit voller Wucht gegen den Brennholzkasten im Flur kracht wird es mir zu bunt und ich stehe auf.

Im Flur frag ich die beiden ob es evtl noch lauter gehen würde, da hier Wanderer sind die am schlafen wären und auch morgen früh wieder raus wollen.

Das Pärchen schaut mich ganz verdutzt an und behauptet das sie gar nicht gewusst hätten das jemand da wäre. Ich verweise auf drei Rucksäcke, wovon meine Wohnwand ja definitiv nicht zu übersehen ist, drei paar Wanderstiefel, Wanderstöcke und Jacken.

Die beiden schütteln den Kopf und sagen nur das ihnen die Sachen gar nicht aufgefallen wären.

Ich bitte darum das sie leiser sein sollen und gehe wieder zu Bett. Was für Hornochsen, denke ich mir noch als ich mich wieder in meinen Schlafsack verkrieche.

Am morgen sitze ich schon um kurz vor sieben in der Stube der Hütte und frühstücke, draussen regnet es Bindfäden und die Gipfel rings herum sind dicht in Wolken gehüllt. Die beiden Senioren kommen polternd zu mir und ich muss laut lachen. Der eine der beiden schaut mich an und drischt erstmal mit einer Kelle auf den Topf mit Wasser ein. Jetzt lachen wir alle drei sehr seh schadenfroh!

Von den beiden Wanderern ist aber nichts zu hören. Sie ignorieren uns wohl!

Um halb neun stehen wir vor der Türe und verabschieden uns voneinander. Der Regen hat gerade aufgehört und mein Weg führt mich nun wieder hinunter zu dem Weg mit der Brücke den ich am Vortag gekommen war. Dort steht auch die Markierung zum Eingang des Rondane Nationalparks. An dem Teil bin ich Tags zuvor doch glatt vorbei gerannt.

Mein Weg führt mich nun an der Seite des Musvolkampen entlang und bei dem Aufstieg an Treppen vor mir frage ich mich wieder einmal ob Mr. Tolkien seine Ideen für den Herrn der Ringe auf einer Norwegenwanderung zusammen gekramt hat. Ich assoziiere diese Treppe aus groben Natursteinen mit dem geheimen Pfad nach Cirith Ungol aus dem Herrn der Ringe.

Laufen lässt sich dieses Monstrum absolut beschwerlich und ich bin bald froh das es nicht noch weiter hinauf geht. Für diesen Aufstieg darf ich mich auf einer natürlichen Aussichtsplattform an dem Panorama satt sehen bevor es nun langsam in Richtung Tal und Straumbu geht.

Kurz vor der Strasse im Wald werden die Mücken wieder sehr anhänglich und ich muss mich mit etwas Chemie einsprühen um die Quälgeister auf abstand zu halten.

An der Strasse nach Straumbu angekommen rette ich mich vor einsetzenden Nieselregen und den Mücken auf den Rastplatz Strømbu und trinke einen Kaffee.

Über das Alvdal Vestfjellet auf über 1500m hoch zu steigen behagt mir gerade irgendwie gar nicht. Der Weg bis nach Øvre Flatseter wären zwar nur 21km, aber dafür hätte ich einen Anstieg von 800hm auf 7 Km zu bewältigen und der Himmel zieht sich immer mehr zu. Schon jetzt kann man den Gipfel vor mir nicht mehr sehen. Irgendwie macht sich das Gefühl in mir breit das der Weg durch die Berge keine gute Wahl wäre.

Ich entscheide mich für den langen Weg entlang der Strasse nach Neset. So geht es für etwas über 6 km auf Asphaltpiste entlang, bis dann irgendwann der Abzweig nach Breisjøseter kommt.

Die Schotterpiste zieht nun langsam nach oben und ich umrunde die Gipfel des Alvdal Vestfjellet. Aus dem Nieselregen wird langsam ein kräftig anhaltender Regen. Von hier oben kann ich zurück auf das Rondane blicken, dessen Gipfel n7n auch langsam in den Regenwolken verschwinden und rechts neben mir auf das Sølndalen und die angrenzenden Gebirgszüge.

Vor mir ragt der Storsølnkletten auf, an dessen Fuße sich die Breisjøseter befinden müsste. Und genau von dort zieht durch das Tal eine dunkle Wand. Während ich noch laut denke „sind das fette Regentropfen, oder….“, stehe ich auch schon im dichtesten Schneetreiben mit Starkwind in den man nicht hinein schauen kann.

Die Temperatur geht rapide in den Keller und unten an der Strasse hatte ich noch weil mir so warm war das Merino-Langarm ausgezogen und unter der Hardshell nur ein T-Shirt angehabt. Die Flocken werden immer größer dichter und klatschen nur so auf einen drauf. Eh ich endlich die Regenhose und ein wärmeres Oberteil anhabe sind die anderen Sachen nass.

Mit eiskalten Händen setze ich den Rucksack wieder auf und bekomme den Verschluss vom Hüftgurt kaum eingerastet. Mir fehlt regelrecht das Gefühl in den Händen.

Dann ziehe ich die Kapuze tief ins Gesicht und laufe durch das Schneetreiben. Als es nach einer viertel Stunde langsam aufhört ist meine Jacke mit einer dicken schweren Schneematsch Schicht überzogen.

Mir ist Eiskalt und ich freue mich über die paar Sonnenstrahlen die es durch die Wolken schaffen, doch da kommt schon der nächste Schneeschauer angerollt. Jetzt bin ich mehr als froh das ich den richtigen Riecher hatte und nicht durch das Hochfjell gelaufen bin. Dort oben auf über 1500m hätte es jetzt sicher noch ganz anders ausgesehen.

Als ich an der Breisjøseter ankomme hat diese wie man mir sagt noch geschlossen und mich drinnen für ein paar Minuten aufwärmen geht auch nicht. So setze ich mich draussen auf eine der Bänke und geniesse die wärmendenSonne die sich gerade durch die Wolken kämpft.

Dann laufe ich weiter in Richtung Flatseter. 9 km sind heute auf jeden Fall noch drin. Der Weg ist schön zu laufen und macht einfach nur Spass und jetzt gerade kommt auch wieder die Sonne raus.

Am Ende des Weges kurz hinter einer Brücke finde ich mehre Feuerstellen an einem kleinen See. Die Lage und die Aussicht sind mehr als Perfekt und so beschliesse ich dort mein Lager aufzubauen.

Ich esse nur noch kurz was, trinke einen Tee und lasse die Landschaft auf mich wirken.

Früh am morgen werde ich wach weil mein Zelt auf mir liegt. Ich hatte es am Abend nicht abgespannt, weil es absolut windstill war. Nun bläst ein stark böiger Wind und die Heringe am Kopfteil haben sich in dem steinigen Untergrund gelöst.

Ich krieche aus dem Zelt heraus und stelle es wieder auf.

Wieder kommt eine Böe und lässt mich zwei Schritte zurück machen. Ich beschliesse alles einzupacken und direkt loszulaufen. Als frühstück stecke ich mir drei Müsliriegel in die Tasche.

Der Weg nach Alvdal ist ein kleiner Kampf. Ein paar mal schiebt mich der Sturm von der Strasse.

Nach 17 km wird es langsam ruhiger. Ich laufe durch Kiefernwälder ins Tal hinab und erreiche am Frühen Nachmittag das Sandli Overnatting in Alvdal wo auch schon mein erstes Depotpaket auf mich wartet.

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