Durch Norwegens wilden Norden

Es ist Sonntag als ich mich von Abisko wieder auf den Weg mache. Den vergangenen Tag hatte ich über den Karten gesessen und gegrübelt welchen Weg ich nun zur Lappjordhytta nach Norwegen hin folgen soll und entscheide mich der doch recht monotonen Hauptstrasse E10 nach Riksgränsen zu folgen. Der Nordkalottleden schlängelt sich die gesamte Zeit irgendwo zwischen der Strasse und der Bahnstrecke und Kilometer technisch komme ich auf der Strasse besser und vor allem schneller weg.

So starte ich vom Guesthouse und folge der Strasse bei blauem Himmel und angenehmen Temperaturen zu erst bis zur STF Abisko. Hier will ich mir noch das Eingangstor zum Kungsleden anschauen und treffe bei der STF Herberge dann auch gleich auf Els die gerade auf dem Weg zum Bahnhof ist.

Ein Stück hinter der Herberge befindet sich das Gränsförsvarsmuseum das sich mit der Verteidigung des schwedischen Nordens und der Erzbahlinie von Kiruna nach Narvik beschäftigt. Leider hat es als ich dort vorbei komme geschlossen und ich kann nur die Infotafel lesen die draussen verstreut stehen.

Dann geht es weiter der E10 entlang und bei Björkliden, einem Skiresort, mache ich eine erste längere Pause am Strassenrand.

Dann geht es weiter bis hinter den Rastplatz Tornehamn. Bald muss der Wanderweg über die Strasse führen der mich zur Pålnostugan und zur schwedisch norwegischen Grenze führen wird. Den Weg finde ich einige Kilometer später problemlos, steht doch an der Strasse wieder einer dieser unverwechselbaren STF Wegweiser. Nun führt mich der Wanderweg in einem ewigen auf und ab durch sehr hügeliges Gelände und zur letzten schwedischen Hängebrücken Konstruktion meiner Tour.

Immer wieder bekomme ich von den Hügeln eine fantastische Aussicht auf den Torneträsk und das Lapportengebirge mit seinen Doppelgipfeln geboten. Dann erreiche ich am frühen Nachmittag die kleine Pålnostugan. Diese STF Hütte ist die letzte schwedische Hütte vor der Grenze. Leider ist sie doch recht in die Jahre gekommen und bietet einen ziemlich herunter gekommenen Eindruck. Freiwillig hier bleiben und in einem der Betten schlafen würde ich freiwillig nicht tun. Aber ich will ja heute noch weiter und zwar zu der nun noch gut zwei Kilometer entfernten Lappjordhytta auf norwegischen Gebiet.

Der Weg führt mich bereits seit geraumer Zeit durch dichten Birkenwald und alles um mich herum ist auf Herbst eingestellt. Ich laufe staunend durch die vielen gelb und rot Färbungen und so stört mich auch der kleine aber kräftige Regenschauer nicht der mich durchnässt.

Dann kommt auch der auf einem Felsen gelegene Pålnoröset, der schwedisch norwegische Grenzkern, in Sicht.

Diese hässlichen Steinhaufen stehen entlang der kompletten schwedischen und norwegischen Grenze in gewissen Abständen zueinander. Ich mache ein paar Fotos und schaue zu dem mir gegenüberliegenden Berg auf, an dessen Hang ich bereits die Lappjordhytta sehen kann. Sie liegt gut 200hm über mir und der Aufstieg wird noch einmal richtig schweisstreibend. Aber dann ist es auch geschafft und ich stehe vor der kleinen Hütte die durch ihre Hanglage eine grandiose Aussicht auf den Torneträsk, Abisko und das Lapportengebirge bietet.

Alleine bin ich auch nicht. Die Hütte teile ich mir an diesem Abend mit einem Schweizer Pärchen die heute von der Huskyfarm der Klauers gekommen sind. Dort will ich morgen nochmals einen Ruhetag einlegen und mein letztes Lebensmittelpaket entgegen nehmen.

Den kommenden morgen starte ich früh um halb acht. Denn der Tag wird heute ziemlich lang bis nach Innset. Denn zuerst steht ein doch recht kerniger Aufstieg von 420hm an, der mich auf gut 1000m Höhe bringt.

Aber ich habe Zeit und das Wetter scheint wieder perfekt zu werden und so nehme ich den ersten Teil der Tagesetappe in Angriff.

Der Weg ist zwar mehr als anstrengend, aber dennoch super zu laufen und macht richtig Spass. Und so komme ich nach den ersten Kilometern dann auch an den Riksoelvabach, der aber gerade kaum Wasser führt und die Überquerung mehr als einfach gestaltet. Zum Glück muss ich sagen. Denn auf meiner Wanderkarte ist hier noch eine Brücke eingezeichnet, wovon ich aber noch nicht einmal mehr Überreste sehen kann.

Dann steige ich durch das Leirevággital wieder etwas auf und mache im Schatten des Rieksurippi Gletschers und mit Sicht auf eine Sami Siedlung Pause. Diese ist auch langsam dringend nötig, denn der knackige Aufstieg hat ordentlich an den Energiereserven genagt. Dann führt der Weg auch schon kontinuierlich talabwärts entlang der Salvasskardelva. Ich bin so fasziniert von der Landschaft um mich herum das ich auf einmal zu meiner linken im Tal den Veslevatnet sehe wo das Dorf Innset und die Huskyfarm von Björn Klauer liegen wo ich hin will. Nun kommt auch schon die Staumauer des Altevatn in Sicht die ich dann an der Talsohle passiere.

Die letzten drei Kilometer bis nach Innset hinunter und zur Huskyfarm ziehen sich nochmals gehörig. Dann kommt aber endlich der Ortseingang und keinen Kilometer später die Huskyfarm. Hier lege ich nun einen weiteren Ruhetag ein bevor es in den Øvre Dividal Nasjonalpark geht.

Am Abend räume ich in meinem Rucksack rum und versuche mein hier entgegen genommenes Lebensmittelpaket irgendwie zu verstauen. Ich gebe nach einer Zeit entnervt auf. Es ist einfach zu wenig Rucksack und zu viele Lebensmittel! Morgen versuche ich es ausgeschlafen noch einmal.

Zwischenzeitlich schaue ich mir die Hundefütterung am Abend an. Diese kündigt sich durch lautes Gejaule an und ist schon ziemlich eindrücklich.

Am kommenden Tag fummel ich erneut am Rucksack rum und ich bekomme auch irgendwie alles rein. Draussen hängt das Zelt auf der Leine und trocknet vor sich hin und zwischendurch quassel ich mit Björn über seine Spitzenbergen Expedition 2013 und seine 12 Monatige Norwegentour in den 80ern.

Am nächsten Tag bringt mich Björn zurück zum Altevatn und ich breche nun von dort auf zur Gaskasshytta des DNT. Die Etappe will ich heute mit meinem annähernd 30kg Monster auf dem Rücken eher kurz ausfallen lassen. Denn der Weg hinter der Gaskass hat es mit einem knackigen Aufstieg in sich.

Der Weg verläuft die meiste Zeit etwas oberhalb des Altevatn. Über sumpfige Wiesen die mit Holzbohlen ausgelegt sind, oder durch Birkenwald.

Nur das letzte Stück an der Seite des Lifjelltangen entlang und rüber zur Hütte sind nochmals etwas anstrengend. Aber dann stehe ich auch schon an der Hütte und beziehe die Gamle Gaskasshytta (die alte Hütte).

Als ich am nächsten morgen aufbreche ist der Himmel ein einziges grau. Für heute Mittag ist auch ein wenig regen angesagt. Der Weg führt mich zunächst das Strømskardet hinauf. Viel früher als angesagt fängt es an zu nieseln. Ich setze den Rucksack ab und krame die Regensachen heraus und muss nach mehrmaligen nachschauen feststellen das meine Regenhose nicht da ist! Verzweifelt schaue ich nochmal unter das Deckelfach, öffne das grosse Frontfach und schaue in das untere Fach zum Schlafsack. Nichts! Wo ist meine Regenhose!? Hab ich die etwa auf der Huskyfarm liegen lassen!? Ich ziehe die Regenjacke an und setze mich erstmal. Was mach ich nun? Zurück laufen und die Hose holen kostet mich mehr als einen Tag. Ohne Hose könnte es eine feuchte Angelegenheit werden. Aber der Wetterbericht sah eigentlich bis auf den heutigen Tag ganz gut aus. Ich schaue nochmal im Rucksack nach, aber ich finde die Regenhose nicht. Dann nehm ich das Tablet zur Hand und schreibe Björn und Regina eine Mail das wenn die Hose bei Ihnen ist ich sie nach der Tour abholen komme. Innerlich bin ich am kochen und rege mich über mich selber auf und frage mich selbst wie blöd man eigentlich sein kann! Wie konnte ich die Hose auf dem Haufen mit Equipment übersehen? Es ist ja nicht gerade so als hätte ich alles auf 100qm verteilt, sondern es lag alles auf einem Haufen.

Ich ziehe also nur meine Regenjacke an und mache mich wieder auf den Weg. Die Laune ist gerade absolut im Keller und stapfe ich nur grummelnd durch das Strømskardet und dann weiter das Gaskassvággi hinauf. Die 400hm Aufstieg und auch das Geröllfeld über das ich hinüber muss stören mich nicht wirklich.

Dann geht es langsam aus dem Hochtal in das tiefer liegende Jierdni Tal hinab. In der Ferne kann ich bereits die ersten Seen erkennen. Am Ende dieser Seenlandschaft liegt irgendwo die Vuomahytta des DNT. Nun setzt auch der angekündigte Regen ein und treibt meine schlechte Laune auf einen nochmaligen Tiefpunkt!

Oberhalb eines Sees mache ich noch einmal kurz Rast und lasse die Landschaft auf mich wirken. Dabei fällt mir im Taleinschnitt vor mir eine Hütte in der Ferne auf. Das muss wohl schon die Vuoma sein denke ich und ein Blick auf die Karte bestätigt meine Vermutung. Ich schätze die Entfernung noch auf etwas über eine Stunde ein.

Und so mache ich mich nach der kurzen Rast wieder auf den Weg entlang dieser kleinen Seenlandschaft. Die Hütte wird am Ende des Tals nur langsam grösser, aber nach etwa anderthalb Stunden stehe ich vor den Vuomahütten. Ich gehe zuerst zu der neuen Hütte hinüber, die erst dieses Jahr eröffnet wurde und werfe einen Blick hinein. Aber mir sagt dieses grosse Hallenartige Gebäude mit seinem Riesensofa nicht zu. Zudem hat sich in der Hütte ein Angler eingenistet und die Fenster offen gelassen. Also gehe ich hinüber zu der alten Hütte. Diese sagt mir mit ihrem alten Charme mehr zu. Ich gehe rüber zum Servicegebäude und mache mir Anmachholz fertig. Die Brennholzkiste ist zwar voll, aber es liegen nur grosse Scheite drin mit denen man kein Feuer in Gang bekommt. Als das getan ist schnappe ich mir die Wassereimer und gehe hinunter zum See.

Eine Eigenart der Hütten im Dividalen ist das die Wasserstellen oftmals ziemlich weit weg von der Hütten liegen und man gut zu schleppen hat.

Dies war Tags zuvor auf der Gaskass so und ist auf der Vuorma nun der Fall.

Ich schleppe meine beiden vollen Wassereimer den Weg wieder hinauf zur Hütte. Wie ich die Tür öffne verströmt der Ofen schon eine wohlige Wärme. Meine nasse Kleidung hänge ich am Trockengestell über dem Ofen auf und ich koch mir erstmal einen Kaffee.

Zum Abend hin klart es auch wie im Wetterbericht versprochen wieder auf und ich komme noch mit dem Angler ins Gespräch der sich gerade wieder auf dem Weg zum See machen will. Er empfiehlt mir den Weg entlang des Vuomajávri zu gehen. Der ist zwar nicht auf der Karte eingezeichnet und markiert, aber er würde ihn immer nehmen wenn er zum Angeln herkommt. Denn der Weg durch das Anjavassdalen wo der DNT Weg herführt soll mitunter wohl ziemlich schlammig sein.

Dem Pfad folge ich dann am nächsten Tag bei schönstem Wetter. Dieser führt leicht oberhalb des Vuomajávri am Hang des Blåfjellet entlang. Den Weg verliere ich zwar irgendwann aus den Augen, aber das Gelände ist denkbar einfach und den See lasse ich schnell hinter mir.

Zu meiner rechten schimmert die Vuomajohka in der Sonne und überall um mich herum grasen Rentiere. Und so tauche ich schon am Mittag in einen lichten Birkenwald ein, der den Abstieg hinunter in das Anjavassdalen markiert.

Mit Aussicht über das Anjavassdalen bis hinüber in das Dividalen mache ich eine ausgedehnte Pause und geniesse die Aussicht. Diese Gegend hier ist einfach nur fantastisch und ich kann mich gar nicht satt sehen.

Hinzu kommt das ich inmitten von Blaubeersträuchern sitze die voll mit Früchten hängen. Was ich während der Pause die ganze Zeit mache ist wohl klar.

Dann geht es hinunter in das Tal und ich finde auch meinen Pfad wieder der mich direkt vor der Hängebrücke über die Vuomajohka bringt.

Bis hierher hat es doch heute gut geklappt und ich bin absolut zufrieden mit mir. Und so folge ich dem Weg immer entlang der Anjajohka durch den Taleinschnitt. Überall findet man nun Feuerstellen und Lagerplätze auf dem Weg in das Dividalen. Bei dem ein oder anderen Spot muss ich schon der Versuchung widerstehen mein Lager aufzubauen. Direkt am Wasser wird der Weg etwas sumpfiger, aber hier sind ewig lange Bohlenwege ausgelegt und so kommt man trockenen Fußes und auch schnell voran.

Dann kommt auch der Abstieg in das Dividalen. Hier gibt es nun die Möglichkeit dem alten Weg bis zur Furt an der Divielva zu folgen, was bei höheren Wasserstand mitunter schwierig werden kann, oder dem neueren aber etwas längeren zur Brücke. Ich nehme den neueren Weg über die Brücke.

Nun geht es durch einen regelrechten Urwald hindurch und nach einem guten Kilometer kommt der nochmals schweißtreibende Aufstieg hoch zur Dividalshytta.

Die Hütten thronen etwas über 200m über dem Fluss und man geniesst eine traumhafte Aussicht über das Dividalen und hinein in das Anjavassdalen.

Nachdem ich meinem täglichen Ritual Wasser holen und Holz hacken nachgekommen bin, setze ich mich mit einer heißen Schokolade auf die Terrasse in die warme Nachmittagssonne und lasse den Tag ausklingen.

Es ist einfach nur entspannend hier zu sitzen und die stille und die Aussicht zu genießen.

Nun soll der nächste Tag ziemlich schweisstreibend mit seinen 24km werden. Denn es heisst zuerst das Dividialen 300 hm aufzusteigen und dann nochmals 100 hm bis zum Jiertaspass. Aber die Aussicht entschädigt für die Strapazen und der Weg ist sehr gut zu gehen.

Hinter dem Jiertapass geht es dann 280 hm runter zum Jierttaluoppa. Dieser Fluss macht sicherlich bei entsprechenden Wasserstand einige Probleme. Ich komme aufgrund der langen Trockenheit problemlos hinüber und muss noch nicht mal die Schuhe ausziehen.

Der Weg führt um den Stuora Nanna rum und hinüber zum Unna Nannas. Hier hab ich es dann nach längerer Zeit auch wieder einmal mit ordentlich sumpfigen Gelände zu tun.

Hier treffe ich auf einen deutschen der sich durch das schlammige Gelände kämpft und vom Rucksack her total überladen ausschaut. Wir kommen ins Gespräch und machen eine fast einstündige Pause und unterhalten uns über unsere Rucksackgewichte. Scheint so als ob ich genauso überladen daher komme, denn wir rennen beide mit knapp 30kg durch die Gegend. Wobei gut die Hälfte Lebensmittel ausmacht. Ebenso wie ich hält der deutsche nicht viel von diesem ganzen Ultraleicht Gedöns und wir sind uns beide einig das man im Herbst in Skandinavien lieber etwas zu viel warme Kleidung dabei hat als zu wenig. Auch hat man nie zu viel zu essen dabei.

Dann geht es für mich wieder weiter. Ich laufen zwischen zwei kleinen Seen am Unna Nannas hindurch und steige zum Jalggohas auf etwa 820m auf.

Es geht immer auf den Jalggohas zu und in der Ferne kann ich als kleinen gelben Punkt die Daertahytta sehen. Es soll aber noch gut drei Stunden dauern bis ich dort ankomme. Denn der Weg führt noch über diverse Anstiege und über ein paar echt miese Blockfelder die extrem an die Reserven gehen. Dann stehe ich aber am späten Nachmittag für der Deartahytta.

Die neue Daerta wurde erst vor einigen Jahren errichtet und im innern fühlt man sich wie in einem Ferienhaus. Ein riesiges Sofa steht in der Ecke und zum relaxen warten zwei Ikea Sessel vor den Panoramafenstern.

Die Hütte ist gut belegt und so quartiere ich mich bei einem Schweizer im Raum ein, der hier ein paar Tage in dem Gebiet wandern will.

Es wird ein echt angenehmer Abend, denn genau wie ich fotografiert er gerne und wir tauschen uns über die diversen Modelle von Nikon aus und philosophieren den gesamten Abend über Objektive und Hersteller.

Am kommenden morgen breche ich früh auf. Das Wetter ist nicht sehr berauschend und es regnet leicht. Und ich muss heute meiner Lieblingsaufgabe nachgehen, kilometerlang über Geröll latschen!

Hinter der Daerta führt der Weg direkt hoch und nach einer knappen halben Stunde stehe ich vor dem Aufstieg der mich hoch zum Rákkasgurajávri führt. Der Weg führt steil bergan über Geröll und als ich oben ankomme freue ich mich schon das es ja gar nicht so wild war und folge dem Pfad um den See und steige weiter über Geröll auf. Pech gehabt würde ich sagen. Aber das gut 3 km lange Geröllfeld ist ganz gut zu gehen und so komme ich gut voran und steige nach einiger Zeit zur Gassavákkejohka ab und folge dem Bach zu zwei Seen. Nun führt es langsam ins Tal hinunter und vor mir liegt nun das Isdalen, ein Hochtal das vom Isdalsfjellet und vom Moskángáisimassiv eingeschlossen wird. Ich laufe ewig darauf zu und der Anblick ist wirklich gigantisch.

Der Weg führt mich in einem ausladenden Bogen in das Rostadalen hinunter und auf einmal stehe ich wieder inmitten eines lichten Birkenwaldes. Es ist mittlerweile Wahnsinn wie schnell sich das Landschaftsbild ändert und was nur 100-200 Höhenmeter ausmachen.

Dann kommt endlich die Hängebrücke zur Rostahytta in Sicht und auch die drei Rostahütten. Mit 16km war es heute zwar nur eine kurze Etappe aber mir schmerzen die Füsse vom Geröll. Das Zeugs macht echt keinen Spass!

Ich beziehe die alte Rostahytta und obwohl ziemlich viel hier los ist bleibe ich auf der Hütte allein.

Abends hängen die Schuhe überm Ofen ich versuche sie etwas zu trocknen. Mittlerweile merke ich das sie bereits 2000 km mit mir gemacht haben. Das Profil ist runter, das Leder und der Geröllschutzrand sind eingerissen und das Gore Tex hält auch nicht mehr durch. Sobald die Stiefel mal über einen längeren Zeitraum feucht werden wird es sofort nass in ihnen. Auch der Geruch den die Stiefel versprühen ist mehr als intensiv. Der Geruch, der sich sobald ich die Schuhe ausziehe verbreitet, erinnert am nächsten an einen sehr reifen Käse mit einer Note von Katzenklo das dringends geleert werden müsste.

Ich hatte ja Jahrelang Katzen und diesen Duft vergisst man nicht so schnell.

Die Schuhe versuchen mit ihrem Geruch die gesamte Hütte für sich zu beanspruchen und ich bin echt froh das ich hier heute auf der Rosta alleine bin.

Als ich den Abend auf der Daerta die Schuhe in den Vorraum gestellt hatte, hatten sich die Gäste dort auch irgendwann angefangen umzusehen wo der Geruch her kommt.

Am nächsten morgen geht es von der Rosta hoch zum Isdalen und hindurch. Von der Hütte steigt man erst etwas auf und steht dann plötzlich mitten in dem Tal. Es ist extrem grün hier und das Tal leuchtet in einem dunklen Moosgrün. Ich kann kaum glauben was ich hier sehe. Alle paar Meter bleibe ich stehen und sauge diese Landschaft in mich auf und drehe mich dabei um die eigene Achse. Hier jetzt einfach das Zelt hin stellen und ein paar Tage bleiben! Das wäre es doch jetzt.

Der Weg schlängelt sich lange durch das Tal. Entlang eines Wasserfalls und der Iselva geht es nun langsam aber stetig etwas bergauf und in Richtung des Čievččasčahka Passes. Mal wieder geht es über Geröll. Was auch sonst! Und so schraube ich mich nun fast 400hm den Pass hinauf. Hier oben windet es ganz ordentlich und ich muss mich erstmal wärmer anziehen. Es geht langsam wieder hinunter in die Ebene und in der Ferne sehe ich den gelben Grenzkern der den Übergang nach Schweden markiert. Für ein paar Kilometer muss ich heute wieder durch Schweden laufen und ich habe schlagartig das Gefühl das mit dem Grenzübertritt die schroffe Gebirgswelt Norwegens den sanften Höhenzügen und weiten Tälern Schwedens weicht. So geht es einige Zeit über eine weite offfene Fläche bis mir ein Wegweiser anzeigt das ich nun wieder in Norwegen bin.

Nach ein paar weiteren Kilometern kommt die Gappohytta in Sicht. Dort angekommen quartiere ich mich in der neueren Hütte ein. In der alten Hütte sind bereits fünf Leute und das ist mir zu voll. In der neuen Hütte stelle ich Tische und Stühle auf, denn die Hütte wurde erst frisch gebohnert und ich bin der erste Gast.

Dann wird Holz geholt und Wasser. Passend setzt Regen ein und die Wasserstelle ist etwa 400 Meter entfernt. Aber egal, denn der Ofen bollert schon vor sich hin.

Ich sitze gerade bei einer heissen Schokolade und wärme mich vorm Ofen auf als die Tür aufgeht und eine Gruppe Finnen die Hütte betritt. Die 18 Männer und Frauen sind auf Führungskräfte Lehrgang im Fjell und fragen ob ich die Hütte verlassen würde und in die alte Gappo wechseln könnte. Simultan ziehen sie auch schon ein.

Soviel zu meiner Ruhe die ich haben wollte. Ich schnappe meine Sachen und trolle mich in die andere Hütte. Dort werde ich als ich eintrete und nur deutsch höre auch schon von einer älteren Dame mit „Oh mein Gott, noch ein deutscher“ begrüsst! Danke, denke ich mir und meine Laune rauscht gerade in den Keller.

Wir kommen trotzdem später ins Gespräch und die Aussage war auch nicht so gemeint von ihr und im grossen und ganzen wird es dann doch noch ein sehr lustiger Abend. Vor allem da es die ersten Polarlichter für mich gibt. Bis spät in die Nacht stehe ich dick eingepackt vor der Hütte und geniesse das Spektakel.

Ich starte früh von der Gappohytta. Heute will ich es bis Kilpisjärvi in Finnland schaffen, was heisst das ich 30 km vor mir habe. Aber ich will mir auch etwas Zeit am Treriksröset, dem Drei Länder Eck von Norwegen, Schweden und Finnland lassen. Dieser Grenzkern ist nach Umbukta, dem Polarkreis und Abisko mein nächster Meilenstein auf der Reise.

Der Weg führt mich bei schönsten Herbstwetter hinunter zum Golddajávri. Den Weg über die Goldahytta des DNT will ich mir sparen und versuchen den unmarkierten Pfad vor dem See zu finden. Dieser würde die Tagesetappe um einige Kilometer abkürzen.

Beim Blick zurück schaue ich immer wieder auf den Barras, einen 1419m hohen Berg, zurück der das Landschaftsbild dominiert.

Unterwegs treffe ich immer wieder auf Wanderer mit denen ich ne Runde schnacke. Auf meine Frage ob sie unten einen Pfad am See gesehen hätten verneinen alle. Ich ahne schon böses, stehe dann aber vor einer breiten ATV Spur die entlang des Sees führt. „Pfad ist gut!“ lache ich. Eine breite und vor allem gut zu laufene ATV Spur führt mich durch Birkenwald direkt zum Drei Länder Eck.

Dort angekommen bin ich auch noch alleine und kann in aller Ruhe meine Ankunft hier geniessen. Mit breitem grinsen sitze ich mit einer Tasse Kaffee an diesem potthässlichen gelben Betonklotz, schau auf den Golddajáhvri raus und Feier mich innerlich ein wenig selbst. Ich bin gerade hacken stolz auf mich das ich es bis hierher nach Finnland geschafft habe.

Langsam kommt aber auch die Erkenntnis auf das sich die Reise nun unerbittlich dem Ende entgegen neigt, egal wie langsam ich nun unterwegs bin! Im Kopf überschlage grob und komme auf noch nicht mal mehr drei Wochen die ich wohl noch bis an mein Ziel brauchen werde.

Ich packe wieder zusammen und mache mich auf den Weg. Es liegen noch etwa 10 km und einige Höhenmeter vor mir. Denn das Boot über den Kilpisjärvi See kommt nicht in Frage und so steige ich die nächste Zeit über Bohlenwege und nicht wirklich tolle Wanderwege immer weiter auf. Aber die Aussicht ist wirklich genial! Zurück blickt man über den Golddajáhvri und das Stordalen und nach vorne liegt der Kilpisjärvi an dessen Ende man die Ortschaft gerade noch erkennen kann.

Viele Tageswanderer aus Kilpis hat es hier oben und von vielen werde ich ein wenig seltsam angeschaut. Ich schaue aber genauso seltsam, denn die meisten Wanderer sehen aus als ob sie gerade aus dem tiefsten Winter kommen und haben dicke Daunenjacken und Wintermützen auf, während ich im dünnen T-Shirt laufe und an der Hose alle Belüftungsreissverschlüsse offen habe.

Der Weg zieht sich nochmals ordentlich und ich bereue langsam nicht das Boot genommen zu haben. Doch dann kommt endlich die Strasse E8 in Sicht. Der Weg schlängelt sich noch einmal gewaltig durch die Landschaft, aber mit dem Tagesziel vor Augen gebe ich nun richtig Gas.

Dann spuckt mich der Weg auf die Strasse und nach ein paar letzten Kilometern stehe ich vor dem Retkeilykeskus, der Jugendherberge von Kilpisjävri.

Doch was muss ich an der Rezeption hören?! Es ist alles ausgebucht! Ich solle es vielleicht bei den Hotels 5 km die Strasse runter versuchen. Ich bedanke mich freundlich für die Auskunft und kotze innerlich gerade ein wenig ab. Nochmals 5 km? Ich hab keine Lust mehr heute. Die letzten Kilometer hierher waren genug und der Akku ist komplett leer.

Ich setze mich draussen auf die Treppe, krame mein Tablet raus und schaue was mir Booking hier so anbietet. Dabei kaue ich meinen letzten Müsliriegel.

Dann stosse ich auf das Lappland Hotel. Moment mal denke ich. Am Golddajáhvri bin ich doch auf ein Österreichisches Pärchen gestossen die mir das Dingen empfohlen hatten. Ich buche direkt eine Nacht. Es ist eh das einzige Hotel das ich mir halbwegs erlauben kann.

Ich setze mich wieder in Bewegung und quäle mich die letzten Kilometer die Strasse runter. Über eine Stunde brauche ich noch. Der Rucksack drückt ohne Ende und die Füsse schmerzen ohne Ende auf dem Asphalt. Dann bedeutet mir aber ein Schild rechts den Weg zu nehmen und ich stehe vor dem Hotel.

Schnell checke ich ein, beziehe mein Zimmer und gehe duschen. Was für eine Wohltat! Dann schleiche ich zum Supermarkt der direkt gegenüber liegt und kaufe für eine Großfamilie ein.

Auf dem Sofa im Aufenthaltsraum des Hotels kommen nach zwei Tüten Milch, einer Tüte Chips und einer Tafel Schokolade auch langsam die Lebensgeister zurück und ich freue mich wieder riesig es hierher geschafft zu haben. Aber nun halte ich erstmal Ruhetag und das heisst ich bewege mich so wenig wie möglich und esse soviel wie möglich.

Hatte ich die ersten Monate auf Tour gar keinen oder immer nur wenig Hunger, weiss ich nun gar nicht mehr wo ich die ganze Schokolade im Rucksack unter bekommen soll.

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