In den Padjelanta Nationalpark

Am Abend bekomme ich noch Besuch von einem norwegischen Trailrunner. Der wahnsinnige ist morgens oberhalb der Ny-Sulitjelma losgelaufen und hat an einem Tag den 80km langen Weg um das Sulis Massiv gemacht! Ich sitze nur da, mit runtergeklappter Kinnlade und höre ihm zu. Es ist absolut krass was man unterwegs doch für Menschen trifft. Aber noch faszinierender finde ich wozu Menschen alles in der Lage sind.

Am kommenden Tag laufen zum frühen Abend ein deutsches Pärchen ein, die auf Rundtour sind. Die beiden sind absolut Wanderbegeistert und wir tauschen uns über unsere ganzen Touren aus. Auch bekomme ich mit meiner Tour wieder einmal den Rücken gestärkt und die beiden sagen mir wie schon so manch anderer unterwegs das ich mit meiner Auszeit alles richtig mache.

Früh am nächsten morgen verabschieden wir uns voneinander. Das schöne Wetter vom Vortag ist Geschichte und als ich die Strasse von der DNT Hütte in Richtung Storelvvatnan nehme, fängt es wieder an zu regnen. Ich bin ja bereits in Regensachen gestartet und ziehe mir nur die Kapuze tief in das Gesicht. Kurz vor Ende liegt die Strasse noch unter einer dicken Schneedecke begraben, welches es zu queren gilt.

Ein Stück weiter oberhalb endet die Strasse und dort kreuzt auch der Wanderweg von der Hütte dem ich nun weiter folge.

Der Weg steigt weiter an und führt mich entlang des Storelvvatnan. Ab dort wird das Gelände richtig steinig. Durch den Regen ist das Gelände extrem rutschig und langsam kommt extrem böiger Wind auf, der sich mit der Zeit zu einem richtigen Sturm entwickelt. Auf Höhe des Sorjostjåhkkå schubst mich der Wind nur noch über das Geröll und langsam bekomme ich Lust den Tag auf der Sorjoshytta zu beenden.

Nun kommt am Sorjosjávri auch die DNT Hütte in Sicht und ich spiele so langsam mit dem Gedanken den Tag dort zu beenden, da ich auf den Starkwind und das rutschige Geröll echt keinen Nerv mehr habe.Ich passiere die beiden Brücken, wobei die erste eigentlich mitten im Bach liegt und man am Ende noch über Steine auf die andere Seite kommen kann. Dann geht es hinauf zur Hütte und ich trete auf die Terrasse und in den Windschatten. Ich bleibe heute hier, beschliesse ich nach nur 12km! Ich habe jetzt gerade echt keine Lust mehr noch weitere 12km bis zur schwedischen Sårjåsjaurestugan zu laufen.

Ich feuer den Ofen an und gehe Wasser holen. Wie ich zurück komme ist der Ofen schon wieder aus, denn der Wind drückt mit aller Kraft in den Abzug. Es dauert eine ganze Weile bis ich ein ordentliches Feuer habe. Dann breitet sich aber auch endlich die Wärme in der Hütte aus und trocknet die Sachen.

Irgendwann höre ich Stimmen vor der Hütte. Irgendwann schaue ich aus dem Fenster und sehe drei Jungs auf der Terrasse im Regen sitzen. Ich gehe zur Tür und frage ob sie weiter nass werden wollen oder nicht lieber in die trockene und vor allem warme Stube kommen möchten. Meinem Angebot kommen sie sofort nach und sie wärmen sich eine gute Stunde am Ofen auf bevor es für sie weiter geht. Draussen stürmt es nun so richtig und bei der ein oder anderen Böe vibriert die Hütte richtig. Ich werde heute nur noch einen Fuss vor die Tür setzen wenn es sein muss und verkrieche mich mit heisser Schokolade und Hörbuch in die Ecke.

Am Abend kommen noch zwei Norweger von mehrtägiger Angeltour herein, von denen ich am morgen noch ein Paket Kokmalt (Skandinavischer Kochkaffee) geschenkt bekomme. Das Wetter ist zwar immer noch absolut schlecht, aber der Sturm der die ganze Nacht an der Hütte rüttelte, hat zumindest nachgelassen und so folge ich dem Weg entlang des Sees für die ersten 6km bis er sich gabelt. Vor mir liegt ein Flussdelta das gequert werden muss und ich habe die Wahl dieses Delta direkt zu furten, oder ich mache einen Bogen und laufe oberhalb zu der Brücke. Ich entscheide mich zu furten und ziehe Crocs an. Das Wasse ist milchig türkis und man kann kaum bis gar nicht den Grund sehen und so taste ich mich langsam schrittweise durch dieses Delta. Das dass Wasser eiskalt ist brauche ich glaube ich ich noch erwähnen.

Nach etwa 20 Minuten, oder einer gefühlten Ewigkeit bin ich auf der anderen Seite und trockne mir die eiskalten Beine ab. Dann geht es langsam weiter. Vor mir tauchen hinter einer Kuppe dann die drei Jungs vom Vortag auf, mit denen ich dann zum Mittag an der schwedischen Sårjåsjaurestugan eine Pause einlege. Endlich hat es auch aufgehört zu regnen.

Sårjåsjávrre mit der Gleichnamigen Hütte

Wir beschliessen bis zur nächsten STF Hütte, der Staddajåkkå, gemeinsam weiter zu laufen. Der Weg verläuft die die gesamte Zeit sanft bergab, ist perfekt zu laufen und die Hütte kann man schon aus der Entfernung sehen. Für die 6km brauchen wir keine zwei Stunden. Wir legen eine Pause auf der Bank an den Hütten ein und laufen dann langsam weiter.

Dem Nordkalottleden folgen wir einem guten Kilometer durch traumhaftes Laufgelände. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen noch mindestens 5km zu machen, ändern aber dann unsere Pläne als eine dunkle Wolkenfront sich von hinten anrollt. Wir beschliessen die Zelte aufzubauen und den Tag hier auszusitzen.

Das Wetter hat sich über Nacht gebessert und wir starten früh nach Staloluokta, einer Sami Siedlung und der gleichnamigen STF Hütte. Die 11km fliegen förmlich dahin und schon bald schaut man auf den grossen Virihauresee herab und wir passieren die Brücke nach Stalo. Hier legen wir erstmal eine Pause ein bevor es weiter geht.

Virihauresee

Während der Pause beratschlagen wir uns wie weit wir noch gehen wollen. Ich für meinen Teil würde es noch gerne bis zur STF Hütte Laddejåkkå schaffen. Die drei würden den Tag gerne hinter Árasluokta schaffen.

Der Weg führt uns nun die Flanke des Unna Dijdder hinauf und danach weiter an der Seite des Stuor Dijdder. Als wir in Árasluokta ankommen sind wir ziemlich patt. Das letzte Stück des Weges war dann durch den tagelangen Regen ziemlich durchgeweicht und trotz der Bohlenwege ziemlich beschwerlich und wir machen an der Hütte eine längere Rast und haben auch gerade keine besonders grosse Lust mehr noch sehr viel weiter zu gehen. Ich für meinen Teil stärke mich erst einmal mit einer köstlichen geräucherten Forelle mit Samibrot, die ich bei der Hüttenwirtin gekauft habe.

Danach laufen wir noch ein Stück entlang des Weges und bauen am frühen Nachmittag unsere Lager auf einer natürlichen Terrasse am Hang des Áras auf.

Mit den drei Jungs sitze ich später zusammen. Sie werden am kommenden Tag erst spät aufbrechen. Einer von Ihnen hat Probleme mit den Füssen und muss sich erst etwas erholen.

Zum Abend hin ziehen dann wieder dunkle Wolken über den See heran und bringen kräftigen Regen mit sich. Es regnet sich zumindest über Nacht aus und so starte ich am morgen zumindest im trockenen. Nur das Zelt ist klatschnass. Das soll sich über die nächsten Tage auch nicht mehr ändern.

Ich laufe hinunter ins Tal und quere eine der vielen grossen Hängebrücken die hier stehen und steige nach einer kurzen Pause den Sattel am Allak hinauf.

Hängebrücke über den Miellädno

Der Aufstieg über den Pårka Sattel ist echt zäh und zieht sich ganz schön hin. Je höher ich nun komme um so mehr nimmt der Wind zu, der ziemlich eisig ist. Zu allem Überfluss fängt es noch zu regnen an. Dabei sah das Wetter noch an der Brück super aus und ich hatte die Regensachen dort ausgezogen. Also wieder rein in die Klamotten. Aber der Blick von hier oben zurück auf den Virihauresee entschädigt für einfach alles!

Ein letzter Blick zurück ins Tal und zum Virihaure

Nun fällt vor mir das Gelände ganz sanft zur Låddejåkkåstugan ab. Zur linken ist dann auch zum ersten mal der Vastenjaure zu sehen.

Ich komme gerade an der Låddejåkkå als die nächste Regenfront von Sturmböen durch das Tal rollt. Ich bekomme noch so gerade alles Wasserdicht, dann geht es auch so richtig los. Ich trinke und esse nur kurz was und gehe weiter.

Im strömenden Regen steige ich aus dem Tal hoch und folge dem Padjelantaleden entlang der Seite des Loadásj.

Die nächste Regenfront im Anmarsch
Låddejåkkå

Zum Glück besteht hier oben ein Großteil des Weges aus Holzbohlen. So komme ich zumindest schnell voran, auch wenn das Holz nun extrem rutschig wird und der starke Wind der von der Seite kommt mich immer wieder von den Bohlen schiebt.

Endlich kommt die Sami Siedlung Sáluhávrre in Sicht und es geht ins Tal hinunter. Gut 2km dahinter stehen drei Brücken die über den Zufluss von Vastenjaure ind den Kutjaure gehen. An der ersten Brücke mache ich eine kurze Pause und kauer mich in den Windschatten des Betonfundaments der Brücke. Der Wind hat nun endgültig Sturmstärke erreicht und die paar Fjällbirken biegen sich kräftig im Wind. Der Weg an der Brücke gabelt sich hier nun. Zum einen geht der über die Brücken zur Kutjaurestugan, oder rechts entlang des Zulaufs zur Kisurisstugan. Ich entscheide mich für den 4km längeren Weg nach Kisuris, da dieser am nächsten Tag keine nennenswerten Aufstiege zum Akkajaure aufweist.

Der Weg zieht sich ordentlich bis Kisuris und führt über Bohlen durch Sumpf und durch steiniges Gelände. Am Ende geht es über einen natürlichen Damm der mit Fjällbirken bewachsen ist entlang. Ich bin mittlerweile total durchnässt und ertrage das Wetter so wie es ist. Ändern kann ich es ja eh nicht. Nur machen mir die sich immer stärker im Wind biegenden Birken sorgen. Ich will nur noch raus aus dem Sturm und hin zur Kisuris. Die erreiche ich dann eine Stunde später auch endlich. Die ganzen Trekkingstöcke vor der Tür zeigen mir das die Hütte wohl ziemlich voll ist. Ich lasse nur noch den Rucksack auf die Treppe sinken und klatsche wie ein nasser Sack daneben und krame einen meiner Kekse aus dem Deckelfach des Rucksacks. Zwei Mädels die gerade rauchend unter dem Vordach der Hütte stehen schauen mich erst grinsend dann doch eher mitleidig an. Ich muss wohl einen sehr erbärmliches Bild abgeben. Dann kommt der Stugvärd aus dem Nachbargebäude zu mir. Bei der Frage ob ich Zelten oder ein Zimmer will antworte ich ohne nachzudenken Zimmer!

Die Hütte ist auch so gut wie voll und er quartiert mich zu einer Frau aus Belgien.

Els, so der Name der guten spricht super deutsch und wir unterhalten uns ausgiebig während ich meine nassen Sachen überall auf der linken Seite des Raumes verteile. Die rechte hat sie komplett in Beschlag und das Zimmer sieht wie ein Trockenraum aus. Ich esse nur noch kurz etwas und falle dann ins Bett.

Am kommenden Morgen werde ich um sechs wach. Els hat schon gepackt und ich finde sie im Aufenthaltsraum der Hütte wo sie am Frühstückstisch sitzt. Sie will gleich los da sie die Fähre über den Akkajaure um 12 Uhr erwischen will. Mein Plan schaut genauso aus. Ich will früh an der STF Ritsem sein um meine Sachen alle ordentlich zu trocknen bevor ich am kommenden Tag in Richtung Abisko weiter laufe. Um halb acht folge ich dem Wanderweg nach Änonjálmme am Akkajaure, wo um 12 Uhr das Boot nach Ritsem anlegen soll.

Es regnet leider immer noch, aber der Sturm hat nachgelassen.

Die 15km lange Strecke führt zum Teil zum Birkenwald und sonst durch Grasland über Bohlenwege und ist total entspannt zunlaufen. Vor mir erhebt sich der Áhkka, der heilige Berg der Samis und Namensgeber des Stausees.

Leider versteckt der Berg seine Gipfel alle in einer dicken Wolkendecke.

Dann kommt die grosse Brücke über den Vuojatádno. Von der anderen Seite hat man eine grossartige Sicht auf den Strom, den Áhkka und die Brücke.

Der letzte Teil des Weges wird nochmals abenteuerlich. Eine kleine Holzbrücke die über einen Bachlauf führt steht so tief im Wasser das bei noch etwas mehr Hochwasser der Bach die Brücke überspült.

Auch die Bohlenwege stehen durch den anhaltenden Regen unter Wasser und ich bin doch ziemlich froh wie ich an der kleinen Siedlung mit dem Bootsanleger ankomme.

Hier gibt es sogar ein kleines Café das geöffnet hat und ich treffe hier auch Els wieder, mit der ich mich hinein vor den bollernden Ofen mit einer Tasse Kaffee setze.

Um kurz vor zwölf legt dann auch die MS Storlule, das Fährboot an. Wirklich vertrauenswürdig schaut der alte Alukahn nicht aus, aber erfüllt seinen Zweck und bringt uns über den See.

In Ritsem angekommen erklimmen wir die steile Böschung und laufen zur STF hinauf. Dort nehmen wir zusammen ein Zimmer für die Nacht und beschliessen am nächsten Tag zusammen weiter zu laufen.

Im hauseigenen Kiosk decken wir uns mit Pizza usw. ein und verbringen den Tag mit essen und Wäsche trocknen.

Der hauseigene Kiosk
Aufenthaltsraum

Beim essen erzählt mir Els das sie am Abend auf Kisuris einen echten Schreck bekommen hatte als ich total fertig in das Zimmer kam. Jetzt frisch geduscht schaue ich viel freundlicher aus. Ich kann nicht anders als loszulachen und gebe ihr absolut recht. Ich fühlte mich am Vorabend auch furchtbar.

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2 Gedanken zu “In den Padjelanta Nationalpark

  1. Jens

    Hi,
    da haben wir uns zwischen Sorjoshytta und Sarjasjaurestuga im Regen getroffen! Ich war auf dem Nordkalottleden unterwegs und meine Frau ist ab Ritsem mitgelaufen.
    Kann mich auch an die 3 Jungs erinnern…
    Neidische Grüße aus Bochum! 😉
    Jens

    Gefällt 1 Person

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