Der ungeplante Ausstieg aus dem Blåfjell

Vom Hybeltunet in Meråker breche ich an morgen zur Ferslia DNT Hütte auf. Ich gehe noch kurz im Coop einkaufen. Mit meinem Riesen Rucksack falle ich natürlich auf und mich spricht eine Seniorin an. Sie spricht nur norwegisch und ihr ist es scheinbar egal das ich sie nicht wirklich verstehe. Sie erzählt mir etwas über Norge på langs nimmt mich in den Arm und dackelt mit einem „ha det“ davon. Einen kleinen Moment stehe ich etwas perplex da und frage mich ob die Omi mich jetzt wirklich gedrückt hat! Ja hat Sie. Total süß.

Zur Ferslia geht es erstmal schön stetig aus dem Tal hinauf und der Weg zieht sich. In regelmässigen Abständen fahren Autos an einem vorbei. Gelegentlich hält eines an und ich werde gefragt wo ich hin will und ob ich mit möchte. Die Angebote sind zu verlockend, aber auch diese unliebsamen Strassenabschnitte müssen gelaufen werden.

So laufe ich Kilometer um Kilometer durch das Waldgebiet vorbei an parkenden Autos und bestaune die ganzen Wochenendhäuschen die hier überall im Wald stehen. Manche sind schon kleine Villen aus Holz.

Spät Nachmittags erreiche ich die im Wald liegende Ferslia Hütte des Nord Trøndelag Turistforeningen. Die Hütte ist ein richtiges Schmuckstück. Nachdem ich meinen Rucksack abgesetzt habe, lasse ich mich total fertig auf das Sofa sinken. Es waren über 20 km und das Thermometer draussen meldet schon wieder 24 Grad im Schatten.

Hier auf der Ferslia habe ich mich mit Martin aus der Schweiz verabredet. Wir hatten ja schon zusammen die Etappe durch die Hardangervidda zusammen gemacht und hatten uns dann in Geilo getrennt. Nun wollen wir die nächsten Tage zusammen laufen und evtl. zusammen das Blåfjell zusammen durchqueren.

Den kommenden Tag habe ich als Ruhetag auserkoren. Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg zur in der Nähe liegenden Sulåmo Turiststation. Dort habe ich für die kommenden Tage durch das Blåfjell ein Lebensmittel Depot angelegt.

Die Turiststation ist zwar nur zwei Kilometer entfernt, aber der Weg dorthin macht keinen Spass. Dutzende von Bremsen umkreisen uns und wir haben alle Hände voll zu tun um uns diese Biester vom Hals zu halten. Noch wissen wir nicht das die nächsten Tage nicht wirklich besser, sondern noch schlimmer werden sollen.

Mein Paket ausfindig zu machen ist dann auch gar nicht mal so einfach. Bei den Gebäuden von denen wir denken das es die Turiststation ist treffen wir niemanden an und auf unsere Rufe reagiert niemand. Erst als ein Auto mit drei jungen Männern vorfährt und eine sehr alte Dame aus einem der Häuser kommt wissen wir das wir richtig sind. Die alte Frau übergibt mir auf Nachfrage mein Paket und wir machen uns mit dem 6-7kg schweren Paket und unserem Schwarm Bremsen zurück zur Ferslia.

Den gesamten Mittag über sitze ich vor meinem Rucksack und den Lebensmitteln und bin am verstauen. Nun wo alles verstaut ist, wiegt der Rucksack sicherlich 28kg. Zumindest fühlt es sich so an.

Der Abend wird dann auch noch sehr angenehm. Wir bekommen Besuch von einem norwegischen Angler und unterhalten uns sehr ausgiebig bis gegen elf Uhr. Dann wird es auch dringend Zeit ins Bett zu gehen. Wir wollen schliesslich morgen früh los, denn der Weg zur Bellingstua, unserem nächsten Ziel, beträgt 34 km.

Die Nacht über regnet es ordentlich und als wir am morgen aufbrechen ist alles klatsch nass. Es ist mit 10 Grad aber auch sehr angenehm und vor allem sind keine fliegenden Plagegeister unterwegs.

So folgen wir den Markierungen auf einem kleinen mit Gras bewachsenem Pfad in den Wald hinein. Der Weg ist zwar etwas schlammig durch den Regen, aber das ist nichts wildes. Da es mehr oder weniger auf einer Höhenlinie durch das Gelände geht macht das laufen richtig Spass.

Wir laufen nun langsam bergab und überqueren eine Brücke. Dahinter steigt der Weg deutlich spürbar an. Die Berge zu unserer rechten verbergen ihre Gipfel in der grauen Wolkendecke, aber dadurch wirkt diese ganze Landschaft einfach Mystisch.

Zum Mittag hin reisst dann die Wolkendecke auch langsam von Schweden her auf und wir machen auf einer Kuppe mit Seeblick rast. Unten am See läuft eine Rentierherde umher und einige Zeit später kommt eine Gruppe vor uns über einen Hügel und hält direkt auf uns zu. Wir zücken die Kameras und lassen die Sensoren glühen. Erst 20-30 Meter vor uns dreht die Gruppe langsam ab und umrundet uns mit argwöhnischen Blicken.

Es sind genau diese Momente die diese Tour für mich absolut einzigartig machen.

Wir machen uns wieder auf den Weg und steigen nun immer weiter bergauf.

In einem ewigen bergauf bergab, es hat mittlerweile komplett aufgeklart und die Sonne steht voll am Himmel, umrunden wir Merraskardfjellet. Und beim Abstieg am Merraskardet, wo es dann auch etwas steiler bergab zu einem See geht, beschliessen wir um kurz vor 18 Uhr unser Camp aufzubauen. Ein paar Meter von uns entfernt plätschert ein Bach hinunter in den See und etwas oberhalb finden wir auf einer natürlichen Terrasse auch direkt einen ebenen Lagerplatz.

Hier oben lassen wir den Abend mit schönster Aussicht ausklingen.

Am nächsten Tag brennt die Sonne früh heiß vom Himmel und so laufen wir bereits um kurz nach acht los. Nun geht es auch an den Abstieg der wie wir jetzt feststellen uns gestern Abend wirklich wenig Freude bereitet hätte.

Nachdem wir eine Sumpflandschaft durchquert haben, zum Glück haben wir mit den Sümpfen keine Probleme da es ja schon seit Wochen kaum bis gar nicht geregnet hat, geht es noch an ein paar Aufstiege und werden dann am höchsten Punkt mit der Aussicht auf die nächsten Tage belohnt.

Zur linken kann man den Gebirgszug Skjækerfjellen auf norwegischer Seite sehen und zur rechten den Gebirgszug des Skäckerfjällen auf schwedischer Seite. Die Aussicht macht kurz wieder mal sprachlos.

Nun steigen wir langsam aber sicher ab und kommen nach gut 8 km Wegstrecke zur Strasse 72. Hier rasten wir kurz und laufen dann die letzten 5 km hoch zur Bellingstua. Die letzten Kilometern ziehen sich in der Mittagshitze noch einmal ordentlich und wir liefern uns mit den Bremsen eine regelrechte Luftschlacht, die wir allerdings wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit verlieren.

Beim Wegweiser zur Hütte verlassen wir die Strasse, laufen über eine Brücke und folgen dem Bohlenweg zur Hütte hinauf, nur um feststellen zu müssen das es die falsche ist. Wir haben die roten Pfosten schlichtweg übersehen die an der Brücke rechts ab gehen. Wir laufen querfeldein über den matschigen Untergrund zu den Markierungen und folgen diesen dann ein paar hundert Meter. Dann geht es zwischen ein paar Tannen direkt zur Hütte.

Die Bellingstua ist kein wirkliches Schmuckstück. Ursprünglich muss sie mal eine private Hütte gewesen sein und später in den Besitz des DNT gewechselt haben. Aber für die Nacht reicht sie uns allemal. Die Hütte haben wir für die Nacht für uns allein und den kommenden Tag gammeln wir bei über 27 Grad im Schatten nur in der Hütte rum. Wir wollen erst am Abend starten und so die grösste Hitze und die Bremsen umgehen. Jedes Mal wenn man kurz vor die Tür tritt wird man von dutzenden dieser Tiere umkreist. Es macht gerade nicht wirklich Spass draussen zu sein.

Um 18 Uhr beschliessen wir dann loszugehen. Denn südlich von uns ziehen sehr dunkle Wolken auf und wir wollen nicht unbedingt noch eine Nacht hier bleiben.

Wir laufen den farbig markierten Pfosten nach. Es geht durch eine Gras und Wald Landschaft mit sanft ansteigenden Hügeln. Hinter uns braut sich ganz schön was zusammen. Das sehen wir zum einem am immer bedrohlicher wirkenden Himmel und daran das es immer drückender wird. Das ruft nun in immer grösserer Anzahl die kleinen Plagegeister auf den Plan.

Gegenüber des Storbellingen, einem See mit einer grossen Insel mittendrin machen wir Rast und beobachten wie die Schlechtwetterfront in Richtung Westen abdreht und sich irgendwo auf Höhe Verdal und Snåsa entlädt. Wir bekommen eine ordentliche Brise mit und versuchen uns vorzustellen wie das Gewitter dort weit hinten tobt.

Wir laufen weiter und kommen nach einiger Zeit an einer Kota vorbei. Leider ist draussen wie auch drinnen alles vermüllt und das obwohl hinter einem Baum ein Mülleimer steht. Ich finde diese Achtlosigkeit einfach nur zum schreien und frage mich warum die Leute das machen.

Hinter der Kota geht es einen Hügel hinauf, von wo wir einen ersten Übervlick über das gesamte Skjækerfjella bekommen und ich freue mich schon richtig auf die nächsten Tage.

Wir laufen weiter durch diese Bilderbuchlandschaft und nehmen einen letzten hohen Anstieg.

Langsam fängt es an zu dämmern. Die Sonne steht schon sehr tief am Himmel, taucht die Landschaft in ein diffuses Licht und irgendwo weit entfernt im Skjækerfjellen regnet es sich aus.

Dann geht der Sonnenuntergang sehr schnell. Die Sonne steht tief über dem Fagerlifjellet und alles um uns herum leuchtet golden.

Martin und ich können uns kaum daran satt sehen und machen ein Foto nach dem nächsten. Unser später Aufbruch hat sich definitiv gelohnt.

Wir gehen an den Endspurt und erreichen nachdem wir im Tal durch einen dichten Tannenwald gelaufen sind die Strasse die uns hoch zu Verestua.

Als wir an der Hütte ankommen ist es fast 24 Uhr und für den Weg haben wir fünf einhalb Stunden benötigt. Laut Wegweiser waren es aber nur knapp 10 km. Irgendwie kommt mir das komisch vor.

Auf der Verestua legen wir einen zusätzlichen Ruhetag ein. Bei mir ist zur Zeit der Akku sowas von schwach, das ist schon unnatürlich. Ich schiebe es einfach auf die Hitze.

Nach dem Ruhetag geht es nun in den Blåfjella Skjækerfjella Nationalpark. Von der DNT Hütte folgen wir noch der Strasse bis zu einem Wegweiser und dann geht es wieder auf den Wanderweg.

Wir folgen dem Weg über den Reinsmyrhøgda, einem 578m hohen Aussichtsberg. Oben angekommen fliesst der Schweiss in Strömen. Kein Wunder haben wir doch wieder 28 Grad. Aber die Aussicht entschädigt für die Anstrengungen.

Ein Stück hinter dem Gipfel zweigen wir rechts vom Weg ab und laufen querfeldein über die Berge.

Ursprünglich hatten wir geplant zur Skjækerdalshytta zu laufen. Aber bei diesem Wetter wollen wir unser Glück in der direkten nach Gaundalen versuchen.

Oberhalb des Sees Tverrådalsstamntjønnin weichen wir komplett ins Tal aus. Über die Gipfel ist es uns zu anstrengend bei dieser Hitze.

Das Tal, eigentlich absolutes Sumpfland, präsentiert sich durch die lange Trockenheit als absolut perfektes Laufgelände.

Wir machen noch einige Kilometer und schlagen an einem kleinen Bachlauf unser Lager auf.

Um acht Uhr sind wir am nächsten Tag unterwegs. Es geht an mehreren kleineren Seen vorbei und immer den Lakavassklumpen vor Augen. Am Lakavatnet queren wir den Abfluss. Nun geht es durch ein ziemlich hügeliges Sumpfland und das laufen bereitet uns doch ein wenig Mühe hier. Es geht in weiten Zickzack über die Landschaft und wir kommen nicht wirklich voran und so beschliessen wir unser Lager an einem kaum noch Wasser führenden Fluss aufzuschlagen.

In der Nacht werden wir auch noch mit einem tollen Morgenrot belohnt und wir können uns an diesem Schauspiel gar nicht satt sehen.

Am Morgen geht es dann weiter in Richtung Gaundalen. Wir folgen über ein paar Gebirgsketten hinweg. Am Stigåtjønna werden die Bremsen wieder so extrem das wir uns bei 30 Grad in unsere Regenkleidung und das Moskitonetz hüllen. So laufen wir die letzten Kilometer entlang des Grønlivatnet auf den Staudamm zu der das Wasserkraftwerk von Gaundalen betreibt.

Ab nun folgen wir den Quadspuren die nach Gaundalen verlaufen.

Nach gut 20 Minuten kann man auch schon das Gehöft am Berghang sehen. Wir ziehen das Tempo nochmal ein wenig an und sind eine gute halbe Stunde später an der Hängebrücke die ums trockenen Fusses über die Gauna bringt.

Keine Viertelstunde später haben wir es den Anstieg hoch zur Farm geschafft und werden sogleich von Steinar Gaundalen begrüsst. Später hätte er mehr Zeit für uns, jetzt müsse er erstmal das Heu in die Scheune bringen.

In der Zwischenzeit richten wir uns in der Hütte nebenan ein und am Abend sitzen wir noch lange mit Steinar in der Stube und unterhalten uns.

Gaundalen ist ein Gehöft an der Grenze zum Blåfjella und verfügt über keine Strassenanbindung zur Aussenwelt. Eine schmale Piste führt südlich vom Gehöft zum Torrön See. Von dort muss man mit dem Boot nach Schweden übersetzen und danach mit dem Auto in die nächste Siedlung fahren.

Vor einigen Jahren hat Steinar eine Pilotenlizenz erworben, sich eine Piste präpariert, ein Flugzeug gekauft und einen Hangar gebaut.

Ganz davon abgesehen das er seinen eigenen Mobilfunkmast hat.

Morgens werde ich mit tierischen Rückenschmerzen wach und ich frage mich warum. Ich hatte doch jetzt schon seit Wochen keine Bandscheibenprobleme mehr gehabt.

Zwischenzeitlich kommt Steinar zu uns und fragt ob wir auch Rauch riechen würden. Wir bejahen und er wirft sich auf sein ATV und braust davon. Eine knappe halbe Stunde später ist er wieder da und sagt uns das da wohl irgendwo in Schweden ein Waldbrand ist. Damit scheint die Sache erledigt.

Wir verabschieden uns von ihm und machen uns nun an den Aufstieg hoch zum Nordskardklumpen. Die Route ist denkbar einfach, müssen wir nur immer den alten Telegrafenmasten bis nach Holden folgen. Nur der konstante Aufstieg hat es in sich und obwohl es noch keine neun Uhr ist brennt die Sonne schon wieder heiss vom Himmel.

Der Weg macht mir heute sehr zu schaffen und ich bin durchgehend außer Puste. Hinzu kommt das mein linkes Knie beim Aufstieg nur am stechen ist.

Dann erreichen wir endlich den Sattel von Nodskardklumpen und Gaundalklumpen und machen eine längere Pause. Laut meiner Uhr sind es 32 Grad in der Sonne und an Schatten ist nicht zu denken.

Hinter dem Sattel folgen wir weiterhin den Telegrafenleitungen bergab und bald schon haben wir die Seen Holderen, Gjevsjøen, Skjeldbreien und Rørtjønna im Blick. Am Holderen können wir auch schon das Gehöft Holden ausmachen wo sich auch die DNT Hütte befindet.

Ein Problem zeigt sich nun ganz extrem hier oben. Wasser ist absolute Mangelware. Kleinere Bachläufe sind ausgetrocknet, die grossen Bäche sind Rinnsale und kleine Flüsse sind nicht mehr der Rede wert. Und aus Seen traut man sich auch nicht zu trinken, da alles die Temperatur einer gut beheizten Badewanne hat. Erst nach einiger Zeit hinter dem Gipfel des Nordskardklumpen hören wir Wasser plätschern. An einer Stelle wo die Telegrafenleitung einen grösseren Einschnitt quert, rinnt ein Bächlein durch das Gestein.

Wir müssen eh durch diesen Einschnitt und füllen direkt unsere Flaschen und trinken gierig.

Nach einer kurzen Pause laufen wir weiter. Wir wollen in dieser Hitze nur noch die letzten Kilometer runter ziehen und freuen uns schon auf ein kühles Bad im See.

Zwischendurch pflücken wir ein paar reife Moltebeeren die überall wachsen. Dann tauchen wir in einen Kiefern und Tannenwald ein. Endlich gibt es mal ein wenig Schatten. Kurz vor dem Ziel gilt es hinter einem ausgetrockneten Flusslauf einen recht steilen Anstieg zu bewältigen. Dieser treibt uns noch einmal ordentlich den Schweiss ins Gesicht. Oben angekommen verschnaufen wir kurz, dann geht es gemächlich bergab und über einen kleinen Bach der kaum noch Wasser führt. Irgendwie finde ich offenbar das einzige noch nicht ausgetrocknete Schlammloch in ganz Norwegen und stecke auch sogleich bis über die Knie drin!

Zum Glück ist es nicht mehr weit bis zur Hütte und so stiefel ich mit den schweren schlammigen Gamaschen über zwei kleine Brücken runter zur Hütte.

Vor der Bekstuggu, so der Name der Hütte, lasse ich den Rucksack ab und pelle mich aus den schlammigen Klamotten. Martin kommt kurz nach mir an und wir beschliessen erst einmal ein Bad im See zu nehmen. Er schaut zu verlockend aus. Rein in die Badehose und zum See hinunter, nur um unten festzustellen das man lebendig gefressen wird. Also zurück zur Hütte, die Sachen rein und die Schotten dicht. Den rest des Tages verbringen wir im Aufenthaltsraum und irgendwie tun mir die Kühe des Hofes leid wie sie von den Bremsen ausgesaugt werden.

Mit mir ist heute auch nicht mehr wirklich was los und ich liege total erschlagen auf der Bank und kann kaum die Augen aufhalten.

Ich zähle allein am linken Bein diesen Tag 23 Stiche. Das Rechte Bein ist fast annähernd so schlimm.

Für den kommenden Tag haben wir uns den Wecker auf halb sechs gestellt. Wir wollen früh los um der grossen Hitze und auch den Stechbiestern entgehen. Aber als mein Wecker geht ist mit mir überhaupt nichts los. Ich habe heftige Kopfschmerzen und kann direkt die Beine in die Hand nehmen und mit Magenkrämpfen auf die Toilette spurten.

In der Stube zurück ist Martin auch bereits da. Er hatte schon am Abend zuvor angedeutet das er evtl den Ausstieg Richtung Snåsa nehmen würde, da er das Weglose Gelände mit seinem sich ständig verstellenden Rucksack, der ihm massive Schulter und Rückenprobleme verursacht, nicht unbedingt antuen möchte.

Nachdem ich nun schon das dritte mal innerhalb einer halben Stunde auf die Toilette spurten musste und es mir gerade immer schlechter geht beschliesse ich mit ihm zu gehen. Ich möchte nicht irgendwo im Nirgendwo mit einem Infekt stranden.

Um halb acht brechen wir von der Hütte Richtung Imsdalen auf. Der Weg ist mit seinen leichten Anstiegen und 14 km Länge keine wirkliche Herausforderung, aber mir fällt jeder Schritt extrem schwer und bei Anstiegen fühle ich mich wie ein Bergsteiger der sich in extrem dünner Luft befindet. Ich mache zwei oder drei Schritte und muss erstmal nach Luft schnappen. Zudem kann ich nicht wirklich klar denken und habe das Gefühl Watte im Kopf zu haben.

Martin der vor geht bleibt in regelmässigen Abständen stehen und lässt mich wieder aufschliessen.

An einer Brücke machen wir noch einmal Pause. Dann geht es an einen letzten Anstieg über einen 603m hohen Buckel. An diesem verbrauche ich gefühlt auch die letzten Reserven und eier nur noch in Richtung einer nahe gelegenen Strasse.

Kur davor erreichen wir die Meierei Eggjaseteren wo die beiden Besitzer gerade im Schatten ihrer Hütte sitzen. Wir kommen mit den beiden direkt ins Gespräch, denn sie haben uns dank der Fotos von Steinar Gaundalen wiedererkannt. Wir bekommen direkt ein alkoholfreies Bier spendiert, sitzen da und plaudern.

Bei der Frage zu unserem Tagesziel bieten uns die beiden ein Bed & Breakfast an. Wenn wir wollen könne der Besitzer der Meierei dort eben anrufen und nach einem freien Zimmer für uns fragen. Klar, gerne!

Der Anruf ist schnell getätigt und das Zimmer ist reserviert. Wenn wir wollen können wir warten bis die beiden Feierabend machen. Dann würden sie uns direkt mitnehmen. Oder wir können ein wenig vorlaufen. In einer Stunde würden sie nachkommen. Wir laufen noch ein Stück und lassen uns dann aufsammeln. Aber zuerst muss ich die Toilette aufsuchen, denn das Bier fühlt sich nicht wohl dort wo es jetzt ist.

Nach fast genau einer Stunde werden wir von den beiden eingesammelt und in das 40km entfernte Snåsa gebracht. Ein paar Kilometer vor dem Ort liegt die Grana Bryggeri mit ein paar Zimmerchen im Schankraum.

Wir bedanken uns vielmals für den Shuttleservice und werden vom Hausherrn des B&B herzlich begrüsst. Er bietet uns auch sofort an länger zu bleiben bis es mir wieder besser geht, nur müssten wir am Tag drauf in die Blockhütte im Garten umziehen.

Den Rest des Tages und auch den Großteil derNacht verbringe ich mit Schüttelfrost und Schwitzanfällen im Bad und am nächsten Tag fühle ich mich als hätte mich eine Dampfwalze überrollt. Mir tut einfach nur alles weh und mich plagen Magenkrämpfe. So elendig ging es mir schon ewig nicht mehr.

So hatte ich mir meinen Trip durch das Blåfjell und auch durch Norwegen nicht vorgestellt und bin im Endeffekt heilfroh darüber das ich hier direkt auf so hilfsbereite Menschen getroffen bin.

Wie es nun von hier weiter geht werde ich entscheiden wenn es mir wieder besser geht. Jetzt heisst es erstmal richtig auskurieren.

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2 Gedanken zu “Der ungeplante Ausstieg aus dem Blåfjell

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