Meråker und die ersten 1000 Km

An meinem ersten Ruhetag im Røros geht es für mich durch die Stadt und in die Smelthytte, einem Museum in welchem eine die 333 jährige Bergbau Tradition der Stadt näher gebracht wird. Kann ich jedem wirklich nur empfehlen.

Am Abend als ich wieder in der Pension bin schreibe ich mit Hauke. Der ist zwei Tage nach mir bei Lindesnes aufgebrochen und hat geniale Tage in der Vesthei wie auch der Hardangervidda durchlebt. Wir verabreden uns für den nächsten Tag. Ich benötige eh noch einen Ruhetag. Irgendwie schlaucht mich die durchgehende Hitze langsam aber sicher.

Am nächsten Tag wechsle ich auf den Bergstaden Camping. Mit 180 Kronen nun mein teuerster Campingplatz. Hauke ist bereits da. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, schleichen wir durch die Stadt und lassen den Abend in Ruhe bei Burger und Bier ausklingen.

Am kommenden Tag steht der Weg in Richtung Ålen an. Ich komme am Morgen nicht so richtig aus dem Quark. Es liegt wohl daran das nun wieder zwei Tage Strasse auf dem Programm stehen und irgendwie habe ich so gar keine Lust darauf. Was solls, da muss ich wohl durch.

Um halb elf und somit viel zu spät breche ich vom Camping auf. Es geht ewig und total monoton die Rv30 entlang. Das einzig gute ist das die Strasse einen ordentlich breiten Kiesstreifen hat und ich bei Gegenverkehr schön weit zur Seite ausweichen kann.

Am späten Nachmittag erreiche ich Ålen, wo ich im Joker ein paar Kleinigkeiten einkaufe und dann eine ganze Zeit auf der Bank sitzen bleibe und döse.

Die letzten Kilometer fallen mir richtig schwer. Als ich an einem Rastplatz ankomme, der sogar fließend Wasser und eine Toilette hat, beende ich meinen Tag hier. Es waren heute über 40 Km! Ich baue noch mein Zelt auf koche etwas und verkrieche mich direkt in den Schlafsack.

Die LKW’s reissen mich schon früh aus dem Schlaf und so drehe ich schon vor sieben meine Runde auf dem Rastplatz. Hier stehen nun mehrere Camper und noch ein Zelt. Ich hatte ja schon ein schlechtes Gewissen gehabt hier zu campen, da es ja eigentlich verboten ist. Da hab ich mir wohl mal wieder zu sehr nen Kopf gemacht.

Ich gehe hinunter zu dem Wasserfall und den Resten der Schmelzhütte die hier mal stand. Wie auch in Røros liegt noch der Geruch von Schwerindustrie in der Luft.

Ich gehe wieder hoch zum Zelt und packe alles zusammen. Dann frühstücke ich und mache mich um neun auf den Weg. Der breite Kiesstreifen hatte sich gestern schon ein paar Kilometer vor dem Rastlatz erledigt und auch jetzt sieht es nicht besser aus. Aber ich habe auf Ut.no eine Alternative gefunden. Etwa 200m hinter dem Rastplatz geht ein Waldweg den Berg hinauf. Dieser führt dann kurz vor Haltdalen wieder hinab ins Tal. Ich beschliesse diesem Weg zu folgen. Und siehe da, der Weg ist sogar richtig schön zu laufen.

Nach knapp sieben Kilometern spuckt mich der Weg kurz vor Haltdalen auf dem Fussweg raus dem ich nun folge. Mit einer Anwohnerin mit der ich ins Gespräch komme erfahre ich das wenn ich der Strasse nach Haugen folge, ich zu einem Wanderweg komme der mich dann oberhalb des Berges auf der Hauptstrasse nach Nordpå ausspuckt. So spare ich mir einige Kilometer auch wenn ich dadurch nicht in den Genuss des Supermarktes komme. Der Weg nach Haugen hat es ordentlich in sich und mir bleibt fast die Luft weg, denn es geht aus dem Tal heraus stetig bergauf. Aber dann stehe ich vor dem kleinen Wanderweg. Es ist der Karolinerleden, der Weg den die schwedischen Truppen 1719 nach ihrer Missglückten Invasion Norwegens nahmen.

Die Markierung folgt Feldwegen, oder auch durch den Wald hindurch. Aber immer es geht noch immer aus dem Tal hinauf. Dann komme ich wieder auf die asphaltierte Strasse und es sind jetzt noch knapp 13km bis nach Nordpå, meinem Tagesziel.

An einer Wiese mache ich Pause. Ich krame meine Polly Nussmischung aus dem Rucksack hervor und lege mich lang ins Gras. Es dauert nicht lange bis das erste Auto anhält und ich gefragt werde ob ich mitfahren möchte.

Ich lehne dankend ab und erkläre das ich Norge på langs laufe. Er verabschiedet sich und fährt weiter.

Nach einer halben Stunde Pause mache ich mich nun auch wieder auf den Weg. Es geht weiter entlang der Strasse und immer weiter durch das Tal.

Nach einiger Zeit kann ich an den Hängen die ersten Häuser sehen und ich vermute das dort irgendwo mein Tagesziel liegt. Und so ist es dann auch. Nach einer guten Stunde deutet mir ein Wegweiser das ich den Links hinauf soll und nach ein paar hundert Metern stehe ich vor dem Nordpå Fjellhotell.

Es steht sogar ein Auto vorm Eingang und es ist offen.

Ich gehe hinein und frage die nette Dame, die gerade in der Küche am wurschteln ist, nach einer kleinen Hütte für die Nacht. Die Hütte ist drei und kostet mich 550 Kronen die Nacht. Ich schlucke ein wenig. Dann geht Sie mit mir hinüber und zeigt mir die „kleine“ Hütte. Diese hat einen Vorraum, eine Küchenzeile, ein Bad und einen Wohnraum mit Sofa und Bett. Luxus pur diese Unterkunft.

Wie gehen zurück zur Rezeption und ich bezahle die Hütte. Den Schlüssel soll ich einfach am nächsten morgen in den Briefkasten werfen. Ausser mir ist hier niemand und die Dame fährt auch gleich wieder. Ich nehme mir noch ein Bier mit für den Abend und bedanke mich für die schöne Unterkunft.

Die kleine Hütte vom Nordpå Fjellhotel

Den Abend beende ich sehr zeitig und so liege ich bereits um 21 Uhr, nachdem ich ewig unter der Dusche stand, in der Koje.

Am nächsten morgen lasse ich mich von meinem Wecker früh aus dem Bett klingeln. Ich möchte um spätestens halb neun los. Denn der Weg heute führt von knapp 550m hinauf auf fast 900m, um dann nach Gressli auf 280m abzusteigen.

Ich frühstücke also ausgiebig und stehe um kurz vor halb neun Abmarsch bereit vor der Türe der Hütte. Es ist dicht bewölkt heute und die Gipfel der umliegenden Berge liegen in Wolken gehüllt. Und es ist mit nur acht Grad ziemlich frisch, was mich aber nicht weiter stört.

Dann folge ich dem Wegweiser hinauf in das Fjell. Es geht nun für drei Tage durch das Skarvan og Roltdalen, wovon zwei Tage den kleinen Nationalpark beinhalten. Ich freue mich schon darauf.

Der Aufstieg hinter Nordpå

Der Weg führt mich durch Wald hindurch und es geht stetig aber dezent bergauf. Ich habe gerade richtig Spass hier oben am laufen. Nach einiger Zeit weichen die Bäume der kahlen Fjelllandschaft und ich steige langsam in die dichte Wolkendecke auf, wo die Sicht vielleicht noch 200m beträgt.

Gegen Mittag habe ich den höchsten Punkt passiert und auch die Wolken lockern langsam auf. Vor mir öffnet sich langsam das Tydal in das ich später absteigen muss und ich sehe auch schon den Tyskhaugen, den kleinen Buckel an dessen Seite die Græslihytta liegt.

An einem besonders schönen Aussichtspunkt setze ich den Rucksack ab und mache Pause. Es hat nun komplett aufgeklart und ich bekomme wieder ein spitzen Panorama geboten an dem ich mich kaum satt sehen kann und ich möchte gerade nirgendwo anders sein.

Ich bleibe fast eine Stunde sitzen. Koche mir einen Kaffee und beobachte wie sich auch die letzten Wolken komplett auflösen. Dann mache ich mich auf den Weg ins Tal.

Den Pullover den ich noch am morgen anhatte brauche ich nun nicht mehr. Jetzt wo die Sonne rauskommt sind es bestimmt 25 Grad.

Der Weg in das Tal wird etwas beschwerlich. Folge ich schon den ganzen Tag den Pfählen mit blauer Markierung des Karolinerleden, muss ich beim Abstieg feststellen das die Markierungen nicht mehr so oft vorhanden sind. Auch wechseln sich die blaue Markierung mit dem roten T ab.

Es ist etwas mühsam, da es etwas sumpfig wird. Aber schon bald komme ich an die Baumgrenze und der Weg wird wieder besser zum laufen. Auch die Markierungen sind nun in regelmäßigen Abständen vorhanden.

Bei einer Ansammlung von Hütten geht es nun auf einem Feldweg weiter ins Tal, welches ich gegen 15 Uhr erreiche.

Am Wegweiser zur Græslihytta mache ich noch einmal kurz Pause. Nun geht es von 280m hoch auf 600m und zur Hütte sind es keine drei Kilometer mehr.

Ich folge der Strasse den Hang hinauf bis zum nächsten Wegweiser. Dort biege ich auf einen Waldweg ab der nun ordentlich anzieht. Am letzten steilen Stück bleibt mir dann fast die Puste weg, aber es können nur noch zweihundert Meter bis zur Hütte sein.

Dem ist dann auch so und ich sehe die Fahne des Trondhjems Turistforeningen über den Bäumen wehen. Ich setzte den Rucksack ab, schliesse die Tür auf und schaue mich in der Hütte um. Sie ist jetzt keine der schönsten DNT Hütten, aber für den Abend reicht sie mir.

Nach einer nicht so erholsamen Nacht mache ich mich auf zur Schulzhytta, die im Zentrum des Nationalparks liegt.

Ich steige den Gresslivola hinauf und kann bei über 700m auf meine Route vom Vortag zurückblicken. Es ist noch keine neun Uhr, aber es ist jetzt schon verdammt heiss.

Dann geht es weiter über die rechte Seite des Melshogna und rauf auf 830m. Hier mache ich kurz Rast, denn der Weg führt nun gute 200hm etwas steil hinab.

Als ich den Abstieg geschafft habe, werden im Tal die Bremsen sehr aufdringlich. Es sind so viele, das ich mir die Regenjacke anziehe und mir mein Mosquito Netz über den Kopf ziehe.

Ich hatte ja schon von vielen Mücken gehört, aber nicht avon.

In den Bratschlauch eingepackt, in dem ich nun langsam vor mich hin schmore, laufe ich durch eine Bilderbuchlandschaft. Das Skarvan og Roltdalen ist ein echter Traum.

Aber ich bin auch froh wie ich gegen 17 Uhr an der Schulzhytta einlaufe und von der Hüttenwirtin begrüsst werde und sie mir sagt das ich reinkommen solle. Die Bremsen wären dieses Jahr besonders viele. Ist mir ehrlich gesagt noch gar nicht aufgefallen.

Die Schulzhytta

Das Thermometer an der Tür zeigt 26 Grad im Schatten an. Das erklärt warum ich total fertig bin.

Ich niste mich auf dieser letzten bewirtschafteten Hütte mit Vollpension ein und lass es mir gut gehen. Mit Ankunft hier auf der Hütte habe ich auch nun meine ersten 1000 km voll gemacht und ich bin auf diese Leistung ein wenig stolz.

Am Abend fängt es an sich zuzuziehen und am nächsten morgen liegen die Berge rundherum in Wolken gehüllt. Das soll auch den Tag über so bleiben und ich kann nun die letzte Etappe nach Meråker entspannt in Angriff nehmen.

Dem Weg hier zu folgen ist denkbar einfach. Ist er doch durchgehend mit großen Holzpfählen markiert, da die Winter und Sommerroute identisch sind. Nur ist die Route ziemlich schlammig und ich will gar nicht wissen wie es ist hier nach ergiebigen Regenfällen durch zu müssen.

Überall um mich herum laufen kleinere Gruppen von Rentieren. Sie gehören den Sami und tragen fast alle Halsbänder und sind gechipt.

Seit geraumer Zeit höre ich auch schon einen Hubschrauber und die Motoren von Quads. Und als ich dann über eine Kuppe stehe ich inmitten einer riesigen Rentierherde. Es müssen mehrere hundert Tiere sein die hier gerade durch das Tal getrieben werden. Denn nun sehe ich an den Talflanken die Quads umher fahren und auch den Hubschrauber kann ich vor mir durch das Tal fliegen sehen.

Ich schaue mir das Schauspiel eine ganze Weile an und laufe dann langsam weiter. Ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Nachdem es dann ewig geradeaus gegangen ist umrunde ich einen kleinen See und überquere einen alten Damm der so ausschaut als ob er bald auseinander fällt. Von nun an geht es stetig hinunter ins Tal. Der Weg ist hier nun auch nicht so so schlammig und auf dem Gras läuft man fast wie auf Watte. Irgendwie sehr angenehm.

Im Tal angekommen folge ich nun einem Waldweg, der dann am Parkplatz Mannseterbakken in eine Schotterstrasse übergeht. Es sind nun noch acht Kilometer bis nach Meråker und gegen 18 Uhr komme ich am Hybeltunet an, wo ich mir ein Zimmer reserviert habe.

Hier kann ich nochmal meine Wäsche in der Maschine waschen, bevor es dann am kommenden Tag hoch zur Ferslia Hütte geht wo ich einen Ruhetag einlegen möchte. Danach geht es in Richtung Skjækerfjella und zum Blåfjellanationalpark.

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