Von Geilo an den Gjende

Die beiden Ruhetage in Geilo taten wirklich gut. Nun sollte mein nächstes Ziel das Skarvheimen sein. Martin und mein Weg trennte sich nun hier.

Ich wollte ursprünglich die direkte Route über den Berg nehmen, entschied mich aber wegen der immer weiter ansteigenden Temperaturen dann doch für den längeren Weg über Hagafoss nach Hovet.

Ein gutes hatte die Sache. InHol kam ich so an der alten Kirche vorbei. Eine wundervolle Holzkonstruktion aus dem 13 Jhdt. Ursprünglich eine Stabkirche wurde sie im laufe der Zeit mehrfach umgebaut.

Am Abend erreichte ich in der Nähe von Kleppstølen meinen Lagerplatz und baute mein Zelt auf. Gesellschaft hatte ich in Form von Schafen auch.

Am nächsten morgen ging es von Kleppstølen weiter entlang der Strasse hinauf zum Staudamm. Von dort ging es weiter bis zum Ende der Strasse. Im großen und ganzen sehr unspektakulär. Nur die Mücken wurden langsam lästig. Am Mittag erreichte ich das Ende der Strasse. Von dort führte der Weg links ab über den Berg, oder rechts um den Berg herum und am See entlang. Ich entschied mich für den Weg entlang des Sees. Die Umrundung auf dem Pfad war teils etwas kniffelig. Der Weg war nicht immer leicht zu erkennen und so stand ich dann auch mitten in einem Geröllfeld und sah den Weg gut 20 Meter unter mir. Wie ich jetzt dort hoch kam war mir dann auch ein Rätsel. Ich kletterte das Geröllfeld hinunter bis ich wieder auf dem Weg war. Dann kam ich wieder halbwegs gut voran. Es ging über Schneefelder und durch Bauch-hohe Weidensträucher. Irgendwann war ich dann aber endlich an der Lungsdalshytta. Dort quartierte ich mich in der Selfservicecabin ein.

Der nächste Tag führte hoch in das Skarvheimen hinein. Der Weg stieg direkt gut an und bot klasse Aussichten. An einem Wegweiser machte ich kurz Mittagspause.

Nun wurden die Schneefelder langsam aber sicher immer mehr. Kein Wunder, war ich doch bereits auf über 1300m aufgestiegen. Die Landschaft wechselte nun von Gras und Heidelandschaft zu Geröll. Immer wieder boten sich Aussichten auf die Landschaft hinter mir. Vor mir ragten 1600m hohe Gipfel auf. Dort musste ich noch hinüber.

Der Himmel zog sich langsam immer mehr zu und mir war klar das bald der angekündigte Regen einsetzen würde. Auf einmal hörte ich einen dumpfen Knall irgendwo weit hinter. Erst dachte ich da hätte sich an einer Bergflanke vielleicht ein Schneefeld gelöst. Beim Blick zurück sah ich dann was es war.

Der Himmel hatte sich innerhalb weniger Minuten verdunkelt und von schräg rechts zog ein Gewitter heran. Wieder hörte ich das grollen und nun wusste ich definitiv das gerade ein Gewitter heran zieht. Dann grollte es einige Minuten später auch zu meiner linken. An den Wolken konnte man jedoch sehr gut erkennen das beide Gewitter an mir vorbei ziehen würden.

Den Regen bekam ich dennoch ab, aber ich hatte genug Zeit um mich in meine Regenklamotten zu hüllen. Dann ging es über den höchsten Punkt der bisherigen Tour, wo dann auch der Regen einsetzte. Vor mir lag der Jutultjørne See, dessen Oberfläche noch dick mit Eisschollen bedeckt war. Ich stand nun auf einem riesigen Schneefeld und blickte auf den See und die Landschaft herum. Die Landschaft mit dem Eis und den Geröllfeldern sah absolut surreal aus und ich sog diesen Aussicht in mich auf.

Nach einer knappen Stunde stand ich am Ufer des Valevatnet und suchte dort an einem Zulauf einen Weg über den Fluss. Irgendwann fand ich zwischen den Wechten am Ufer eine Möglichkeit. Die Stelle war zwar nicht optimal aber ich kam ohne Probleme hindurch. Nur war das Wasser mörderisch kalt. Dann ging es über einen Hang hinauf und schon bald sah man das Ufer des Øvre Bjordalsvatn. Nun waren es nur noch knappe drei Kilometer bis zur Hütte. Der Weg schlängelte sich oberhalb des vereisten Ufers entlang. Traumhaft! Ich hatte gerade einfach nur Spass am laufen. An der Hütte angekommen feuerte ich den Ofen an und holte Wasser. Dann hängte ich meine tropfnassen Sachen vorm Ofen auf.

Als ich am morgen aus dem Fenster schaute war ich von tristem grau umgeben. Den seh konnte man nicht erkennen und auch die Berge herum und den Bach vor der Hütte konnte man nicht sehen. Sichtweite vielleicht zehn Meter.

Ich kochte in ruhe Kaffee und frühstückte erst einmal.

Als ich mich dann um neun auf den Weg zur Breistølbu machte, sah es draussen auch schon anders aus.

Der Weg führte mich hinunter zum Nedre Bjordalsvatn, danach über einen kleinen Anstieg mit ein paar Schneefeldern und dann hinunter ins Tal. Am frühen Nachmittag erreichte ich die Breistølbu die direkt an der Hauptstraße lag. Ich machte mir keine grossen Hoffnungen das die Hütte besonders schön sein könnte, wurde aber eines besseren belehrt. Als ich die Tür öffnete und eintrat war ich sprachlos. Die Hütte war mit soviel Liebe eingerichtet das ich sofort einen Ruhetag hätte einlegen können. Aber ich musste am kommenden Tag weiter. Das Highlight war dann noch das Bad in der Hütte mit Dusche.

Von der Breistøbu führte mich mein Weg am nächsten Tag gute 21 km über das Filefjell. Ich folgte erst der Hauptstraße rechts hinunter, um dann nach ein paar Kilometer an einem Staudamm einer Schotterstraße in die Berge hinauf zu folgen. Dort traf dann irgendwann der Wanderweg auf die Schotterpiste. Unterwegs durfte ich immer wieder Rentiere beobachten, die mit ihren Kälbern durch die Landschaft streiften. Am Nachmittag überquerte ich den Sattel von Suletind und Sulefjell und hatte ein erstklassiges Panorama auf das Jotunheim Gebirge. Ich setzte den Rucksack ab ließ mich Uf den warme Boden nieder und genoss die Aussicht.

Um mich herum in den Hängen streiften überall Rentiere umher.

Nun umrundete ich den Sulevatn und suchte mir in der Nähe der Hütte einen Zeltplatz für die Nacht.

Das Wetter war am kommenden Tag absolut perfekt und so startete ich bereit um acht Uhr in Richtung Tyin See. Erst ging es hinunter ins Tal nach Nystuen. Von dort aus folgte ich nun immer der Strasse zum See hoch und an dessen Ufer entlang. Die Strasse zog sich ewig in die Länge, aber irgendwann kam dann endlich der Abzweig zum Bygdin See.

Nach ein paar Kilometern stand ich nun auch vor der Fondsbu vom DNT. Im Vorfeld hatte ich mich schon über die Hütte informiert und wusste daher das sie noch geschlossen hatte. Ein Stück weiter am See sollte ich für den Abend einen schönen Lagerplatz finden. Übrigens ganz in der Nähe vom Hause von Aasmund Olavson Vinje, der um 1860 zum ersten mal den Begriff Jotunheimen für das höchste Gebirge Norwegens und Skandinaviens benutzte.

Das Wetter sollte nun schlechter werden und so brach ich mein Lager am nächsten Morgen schon vor sieben ab und machte mich auf den Weg zur Gjendebu. Von dort wollte ich am Nachmittag das Boot hinüber zur Gjendesheim nehmen. Ich war kaum aufgebrochen als es langsam zu regnen anfing. Ich arbeitete mich die Talflanke hinauf und genoss immer wieder, trotz der schlechten Sicht über den See und den immer heftigeren Regen, die Aussicht die sich mit bot. Ich liebe den Anblick wenn sich die grauen Wolken um die Gipfel hängen. Das hat immer etwas sehr dramatisches.

Am ende des Aufstieges wartete auch s hon die erste Hängebrücke auf mich. Diese Sommerbrücke war schonmal aufgebaut und ich hoffte nun das die zweite auch schon stehen würde.

Nun war der Rest der Strecke eine wahre Autobahn. Es ging leicht auf und ab und eigentlich nur geradeaus. Nur das viele Wasser wusste nicht wo es durch die lange Trockenheit hin sollte. Und so glich das Fjell langsam einem einzigen Bachlauf und ich hatte langsam das Gefühl das die grossen Gebirgsbäche auch voller als normal waren.

Dann erreichte ich bald die zweite Sommerbrücke. Tja, die Brücke lag noch fein säuberlich demontiert am anderen Ufer.

Kam ich bis jetzt durch alle grösseren Gewässer so hinüber, auch wenn meine Schuhe langsam Wassereinbruch hatten, musste ich hier definitiv die Schuhe ausziehen und hindurch waten. Das Wasser gurgelte um mich herum und ging mir bis über die Knie. Aber ich kam leichter durch als erwartet. Irgendwann bekommt man wohl Routine dabei.

Nun ging es stetig bergab und ich konnte bald den Gjendesee im Tal erkennen. Auch glaubte ich den Geruch von Rauch in der Luft zu erahnen.

Es war auch so. Die Gjendebu hatte bereits geöffnet und im Kamin der Stube prasselte ein ordentliches Feuer. Ich holte mir einen Kaffee und wärmte mich am Feuer. Auch meine nassen Socken freuten sich über die wärme.

Am Nachmittag ging es dann mit dem Boot über den See.

An der Gjendesheim angekommen wurde für zwei Nächte ein Einzelzimmer gebucht, die nassen Sachen aufgehängt und so richtig heiss geduscht, bevor es dann zum Abendessen ging.

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2 Gedanken zu “Von Geilo an den Gjende

  1. Michael

    Schöner Bericht und klasse Bilder. Sieht es nur so aus oder hast du schon das ein oder andere Kilo verloren. Meeeeeehr Butter! 😉
    God tur videre !

    Gefällt mir

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