Entlang des Fernwanderweges E9 von Rostock nach Rügen

Wir haben endlich wieder Urlaub. Und in den letzten Jahren hat es uns immer mit dem großen Zelt auf Campingplätze im Schwarzwald zum entspannen gezogen.

Dieses Jahr jedoch nicht. Diesen Sommer möchten wir entlang des Teilstücks des E9 an der Ostseeküste wandern gehen. Geplant sind 10 Tage in denen wir von Rostock bis nach Binz auf Rügen laufen. Wir sind gespannt was uns erwartet.

Tag 1: Die Anreise
Unser Wecker ist auf halb sieben gestellt, doch Nadine und ich sind schon fast eine Stunde eher wach. So sitzen wir am Küchentisch und trinken Kaffee.

Um halb acht verlassen wir das Haus und machen uns mit den Rucksäcken auf dem Rücken auf den Weg Richtung Hauptbahnhof. Dort angekommen warten wir auf unseren Flixbus der uns um 16.30 Uhr in Rostock abliefern soll.

Pünktlich um 8.35 Uhr verlassen wir den Busbahnhof in Dortmund. Leider kommt nach noch nicht einmal zwei Stunden Fahrtzeit vom Fahre die Mitteilung das durch Fahrgäste das Bord-WC unbrauchbar gemacht wurde und keiner mehr drauf darf. Bei einer Reise von gut neun Stunden wird das sicherlich spannend.

Nach etwas über drei Stunden fahrt machen wir endlich an einer Raststätte halt. Eingeplant sind 40 Minuten Pause. Von diesen 40 Minuten stehen wir 20 Minuten in der Schlange um einen Kaffee zu kaufen und gefühlt noch einmal 12 Minuten um die Toilettenanlage der Raststätte benutzen zu können. Dann hechten wir schon wieder zurück zum Bus.

Mit zwei Stunden verspätung erreichen wir Rostock Busbahnhof. Wir schultern unsere Rucksäcke und machen uns auf den weg zum Bahnhof, der an den Busbahnhof direkt angeschlossen ist.

Mit der S1 fahren wir einige Minuten später Richtung Warnemünde und stehen bereits 20 Minuten später auf der Fähre zur Hohen Düne. Eigentlich wollten wir ja bereits um 17 Uhr hier durch sein. Jetzt ist es viertel nach sieben. Eigentlich hatten wir vor noch die 14 km bis zum Campingplatz in Graal Müritz zu schaffen. Jetzt laufen wir das Baltic Freitzeitcamp in 7 km Entfernung an.

Alles andere würde zu spät werden. Zu beginn geht es über Strasse, dann folgen wir dem Pfad durch die Dünen an den Strand. Die ganze Zeit fliegen extrem nervige Mücken um uns herum. In der Zeit von der Fähre bin zum Strand zähle ich bereits neun Stiche. Ein Trend der sich den restlichen Abend und auch am nächsten morgen fortsetzten soll

Um kurz vor halb neun erreichen wir endlich den Campingplatz. Wir bauen unser Zelt auf, verräumen unsere Ausrüstung und gehen hinüber zum Restaurant um den Abend zu beschliessen.

Tag 2:
Viel zu spät brechen wir am morgens vom Camping auf. Es ist bereits viertel vor elf als wir uns an der Pforte auslösen. Zu allem überfluss fängt es auch noch wie vom Wetterbericht versprochen an zu regnen. Wir setzen die Rucksäcke wieder ab und pellen uns in unsere Regensachen. Dann gehts weiter. Zunächst folgen wir der Strasse bis zu einer Hotelanlage, dann geht es einem Trampelpfad entlang. Die Blaue Markierung auf weissem Grund suchen wir gerade vergebens. So laufen wir auf gut Glück Richtung Dünen, um dann später den Weg hinunter zum Strand einzuschlagen. Auch heute sind die Mücken wieder mehr als nervig. Der Weg hinunter zum Strand fühlte sich wie eine halbe Abwehrschlacht gegen diese Biester an, den wir trotz Mückenschutz verlieren.

Ab der hälfte der Strecke wird der Regen heftiger und so beschließen wir den Nächsten Weg Richtung Wald einzuschlagen. Dort machen wir an einer Schutzhütte auch eine kleine Rast. Dann folgen wir dem Forstweg weiter durch den Wald entlang der Küste.

Am frühen Nachmittag erreichen wir den Campingplatz Rostocker Heide. Da das Wetter nicht besser werden will beschliessen wir den Tag dort zu beenden.

Zum Abend hin hört der Regen endlich auf. Im Restaurant des Campingplatzes lassen wir uns zum Abendessen nieder und geniessen am Strand später noch einen unglaublichen Sonnenuntergang. Der gesamte Horizont und die Ostsee leuchten rot orange.

Tag 3:
Um halb elf haben wir uns bereits an der Rezeption ausgelöst und machen uns auf den Weg nach Graal Mütitz und Dierhagen.

Der Weg folgt zunächst durch einen Buchenwald und führt uns durch eine Ferienhaussiedlung. Dann schlägt der Weg wieder zur Küste ein und wir folgen einem teils geschotterten, teils gepflasterten Weg entlang der Dünen hinauf bis Dierhagen

Für Wandererfüsse ist dieser Untergrund die Hölle. Nach sieben Kilometern qualmen mir schon die Füsse. Aber! Heute sind keine Mücken unterwegs die einen fressen wollen. Es ist einfach zu windig und diese Biester haben Startverbot.
In Dierhagen passieren wir auf den letzten Kilometern das Pfannkuchenhaus, ein Restaurant mit einer Karte voller Pfannekuchen und in allerlei erdenklichen Variationen. Natürlich lassen wir uns das nicht entgehen und kehren ein.
Nachdem wir gezahlt haben und das mit voller Zufriedenheit, denn es hat uns wirklich gut geschmeckt, geht es die letzten drei Kilometer weiter bis zum Camping an den Dünen. Dort beenden wir unseren Tag und bauen das Zelt auf.

Tag 4:
Den Campingplatz verlassen wir gegen 11 Uhr. Eigentlich sollte es zu Fuß weiter über Wustrow, Arenshoop und Born am Darss gehen. Aber wir entscheiden uns für die Variante mit Bus. So folgen wir dem Weg vom Campingplatz weg über den Deich und finden uns knappe 15 Minuten später im Bus der Linie 210 mit Ziel Prerow wieder. Eigentlich hätte uns der Weg 2 Tage gekostet. Nun sind wir innerhalb einer Dreiviertelstunde im Zentrum von Prerow. Wir machen noch zwischenstopp im Edeka und laufen dann weiter zum Regenbogen Camp. Besonderheit dieses Camping ist das er mitten in den Dünen der Ostsee liegt. An der Rezeption des Camping angekommen schlucken wir bei der Buchung wieder einmal. Für zwei Personen mit Zelt und ohne Auto lassen wir mal eben 75€ für zwei Nächte. Na gut, dafür liegt der Platz mitten in den Dünen und auch noch im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Wir bauen unser Zelt auf und kämpfen sogleich mit dem Untergrund, Sand! Dennoch ist das Zelt ratzfatz aufgebautund unsere Sachen inklusive jede Menge Sand liegen in der Schlafkabine. Wir machen ne Runde über den Platz, lassen uns dabei einen Fischteller schmecken und laufen weiter zum Strand. Dort erspähen wir in etwas Entfernung eine Strandbar. Dort angekommen bestellen wir uns einen Cocktail und vergraben unsere Füße im Sand während wir es uns mit dem Glas in der Hand gut gehen lassen.

Tag 5:
Die Nacht war nich sonderlich erholsam. In der Nacht wurde ich wach und musste mit schrecken feststellen das meine Isomatte kaum noch Luft drauf hatte. Aus dem Rucksack kramte ich meine Minipumpe hervor und pumpte meine Matte wieder auf. Als ich am morgen aufwachte lag ich wieder faktisch auf dem Boden. In der Matte war kaum noch Luft vorhanden. Ich quetschte die Matte an verschiedenen Stellen um zu sehen ob irgendwo luft entweicht, aber nichts tat sich.
Nadine wunderte sich darüber ebenso wie ich. Hatte ich evtl nur das Ablassventil nicht richtig geschlossen? Ich drückte das Ventil noch einmal ordentlich zu und pumpte die Matte wieder auf.
Wir frühstückten erstmal, packten dann unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg. Wir wollten heute noch eine Runde um den Darsser Ort, die Landspitze mit dem Leuchtturm drehen. Also liefen wir entlang des Campingplatzes und folgten danach der Strasse zum Darsser Ort. An einer Weggabelung schauten wir uns noch den Nothafen und den angegliederten Ausichtspunkt an. Von dort blickte man über den gesamten Campingplatz bis hinüber nach Prerow. Am anfang des Nothafens angekommen folgten wir nun dem Wegweiser Rundweg „Darsser Ort“.

Der Weg führt einen über einen Bohlenweg hinauf zur Spitze der Halbinsel. An dem dortigen Aussichtspunkt machten wir eine kurze Rast und bekamen zu unserem erstaunen auch noch eine Wildschwein Bache mit ihren beiden Jungen zu Gesicht.
Natürlich liessen wir uns diesen Anblick der im Uferbereich des Sees nach Futter suchenden Frischlinge nicht entgehen. Irgendwann trotteten die drei davon und verschwanden im Schilf. Für uns war es nun auch Zeit wieder weiter zu laufen und so folgten wir dem Weg weiter durch den Nationalpark. Langsam wichen die Kiefernwälder mit Gras und Heidekraut bewachsenen Dünen. In regelmässigen abständen wiesen Infotafeln über die veränderungen der Dünenlandschaft hin. Nach knapp drei Kilometern traten wir aus den Dünen an den Weststrand der Halbinsel Darss und liefen mit den Füßen in den Wellen den Strand entlang bis zum Leuchtturm Darsser Ort.
Am Leuchtturm legten wir eine kurze Rast ein und folgtem dann dem wieder angeschlagenen Rundweg bis zur Haltestelle der Darssbahn.

Mit der Bahn fahren wir dann noch nach Prerow rein und informierten uns bei der Touristikinfo darüber ob und wie wir mit Bus, Bahn oder Schiff bis nach Stralsund kommen würden. Denn das Teilstück zwischen Barth und Stralsund zu laufen war nicht wirklich eine Option. Man wäre entweder dem E9 entlang der Küste gefolgt und hätte an Pensionen sein Glück versuchen müssen, oder man wäre zwei Tage Strasse gelaufen.

Die Dame der Touristik teilte uns mit das wir den Bus bis Barth nehmen und dann weiter mit der Bahn fahren könnten. Perfekt!

Jetzt war nur noch das Problem mit der Isomatte vorhanden. In Prerow selber gab es keinen Outdoorladen der Flickmaterial gehabt hätte und zurück auf dem Campingplatz mussten wir im Zubehörladen feststellen das man dort auch kein Flickmaterial hatte. Tolle Wurst!!

Zurück am Zelt war zwar noch Luft in der Matte, aber dem Braten traute ich irgendwie nicht. Mal sehen was heute Nacht ist. Was nun? Es war noch nicht besonders spät und vorm Zelt versauern wollten wir auch nicht. So ging es nochmal entlang des Strandes zur Strandbar. Dort blieben wir noch bis Einbruch der Dämmerung. Erst dann ging es zurück zum Zelt.

Tag 6:
Am kommenden morgen ist meine Matte wieder platt. Entweder war irgendwo ein Mini Loch oder das Ventil war undicht. Jetzt gerade konnte ich eh nichts dran machen und so beschlossen wir in Stralsund einen Outdoorshop zu suchen.

Wir packten zusammen und nahmen die Darssbahn bis ins Stadzentrum. Natürlich verpassen wir unseren Bus und müssen nun zusehen wie wir die nächsten zwei Stunden rum kriegen.

Da wir noch nicht an der Seebrücke von Prerow waren machen wir uns auf den Weg dort hin und werfen einen Blick in die Fenster der Juweliere und Souvenirshops. Dann geht es langsam zurück. An der Bushaltestelle setzen wir uns an eine Kaffebude auf ein DDR Softeis und nen Kaffee.

Um 13.55 Uhr fährt unser Bus vor und bringt uns zügig zum Bahnhof nach Barth. Von dort fährt 20 Minuten später unser Zug in Richtung Stralsund das wir etwa eine Dreiviertelstunde später erreichen. Alles in allem eine sehr angenehme Fahrt.

Vom Stralsunder Bahnhof laufen wir hinüber in die Altstadt. In der Nähe des Meeresmuseums habe ich einen Outdoorladen ausfindig gemacht wo ich mir Flickzeug für meine Isomatte erhoffe. Dort angekommen, habe ich echtes Glück. Der Shop hat zwar kein Flickzeug von Exped, aber von Thermarest. Das sollte eigentlich auch gehen. Ich nehm zusätzlich noch eine Gaskartusche mit da unsere Vorräte zur Neige gehen und dann machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Dort wollen wir die Fähre nach Altefähr auf Rügen erwischen wo unser nächster Lagerplatz liegt. Am Hafen kommen wir an einem zur Fischbude umgebaute Kutter vorbei und der Fisch im Räucherofen duftet einfach zu köstlich. Da können Nadine und ich einfach nicht widerstehen und sitzen einige Minuten später mit einer riesigen Portion Fisch und einem köstlichen Störtebecker Schwarzbier vor dem Kutter.

Nach dem essen wird es Zeit zur Fähre zu kommen. Wir haben viel zu lang rumgetrödelt und wir müssen unbedingt die letzte Fähre um 17.15 Uhr erwischen, ansonsten heisst es für uns den langen Weg über den Rügendamm nehmen zu müssen.
Und natürlich, wie wir am Anleger ankommen sehen wir die Fähre gerade davon fahren. Wir ärgern uns schwarz das wir wieder einmal so rumgebummelt haben. Hilft aber alles nichts. Jetzt müssen wir eben laufen. Über Google Maps wird schnell geschaut wie wir zum Rügendamm kommen. Dann laufen wir los. Unterwegs fällt mir ein das ja auch die Bahn über den Damm fährt. Evtl gibt es ja eine Haltestelle vorm Damm. Wieder das Handy raus und die Bahn App interviewt. Siehe da es gibt eine Haltestelle. Wenn wir jetzt noch die Beine in die Hand nehmen bekommen wir sogar noch den Zug und brauchen nur vom Bahnhof Altefähr 2,5km zum Sund Camping laufen. Wir kommen zeitig an und müssen sogar noch zehn Minuten auf unseren Zug warten. Gezahlt wird offenbar im Zug beim Schaffner, denn wir sehen hier nirgends einen Automaten. Als der Zug einrollt und endlich zum stillstand kommt steigen wir ein. Den Schaffner sehen wir im Abteil aber er bewegt sich von uns weg. Gut denke ich mir. Ich renne jetzt definitiv nicht mit einem 20kg Rucksack durch den Regionalexpress um zu zahlen. Also bleiben wir im Eingangsbereich stehen als der Zug sich wieder in bewegung setzt. Keine fünf Minuten später kommen wir auch schon am Bahnhof Altefähr an. Der Schaffner steht immer noch am anderen Ende des Waggons wie wir aussteigen. Auf dem Weg zum Ausgang schaut der Schaffner aus der Tür und hebt fragend die Arme. Im Endeffekt nicht ganz die feine Art die Zeche zu prellen, aber bis wir uns durch den Zug gequetscht und gezahlt hätten wären wir drei Mal an unserem Ziel vorbei gewesen. Der Zug rollt wieder los und wir stehen allein auf dem Bahngleis. Modern geht anders denken wir uns. Den der Bahnsteig besteht nur aus Wiese. Wir stellen uns vor wie man hier seinen schweren Koffer drüber ziehen muss wie wir zum Ausgang gehen. Als wir die Stufen hinunter durch das alte Gebäude gehen denken wir uns nur  „Hier möchte man nicht tot übern Zaun hängen wollen“ und schön geht sowieso anders. Es riecht extrem nach Vogelkot und Urin. Eine ziemlich heftige Kombi.

Wir sehen zu das wir raus kommen. Draussen begrüßt uns gleich der Wegweiser nach Altefähr. 2,4km sind angeschlagen.
Es geht unter der B96 hindurch und entlang von wilden Pflaumenbäumen die nur voll mit schmackhaften Früchten sind.
Die zwei Kilometer ziehen sich und wir kommen nach einer gefühlten Ewigkeit am Sund Camping an. An der Pforte angekommen ist niemand mehr da. Es ist auch schon halb sieben am Abend. Nadine telefoniert mit dem Betreiber der ihr mitteilt das wir uns auf der großen Zeltwiese einen Platz suchen und morgen bezahlen sollen.

Wir haben gerade das Zelt und das Tarp aufgebaut da fängt es nur so an zu schütten. Im richtigen Augenblick fertig geworden.
Wir geniessen bei strömendem Regen unter unserem Tarp unser Abendbrot und das gerade keine Mücken in der Luft sind. Diese Biester waren heute wieder eine echte Plage.

Tag 7:                                                                                                                              

Die Motivation heute weiter zu ziehen hält sich in Grenzen. Vor allem da wir gehört haben das in Stralsund die Wallensteintage sind, ein Mittelalterlicher Markt der an die Abwehr der  Belagerung von Stralsund im Jahr 1628 gedenkt. Zum anderen wollen wir uns das Meeresmuseum in Stralsund anschauen. Ich war das letzte mal vor 25 Jahren dort und hab es bis heute als sehr interessant in Erinnerung.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf zur Rezeption, bezahlen unseren Stellplatz für die letzte und die kommende Nacht und machen uns auf den Weg zum Fähranleger. Die Fähre von Altefähr nach Stralsund verkehrt alle 15 Minuten und ist die älteste Fährverbindung zwischen dem Festland und der Insel Rügen.

In Stralsund machen wir uns auf zum Meeresmuseum in dem wir fast den halben Tag verbringen. Dann gehts weiter zu den Wallensteintagen. Bei Handbrot und Bier genießen wir den Trubel um uns herum. Leider können wir nur nicht ganz so lange bleiben, denn unsere Fähre geht um 17.15 Uhr und wir wollen nicht schon wieder laufen.

Stralsund ist aber auch Abseits der Wallensteintage einen Besuch wert. Es gibt nicht nur das Meeresmuseum in der Altstadt, die durch ihre ganzen Mittelalterlichen Bauten ein Augenschmaus ist. Es gibt im Hafen noch das Ozeaneum und das ehemalige Segelschulschiff Gorch Fock. Auf der Insel Dänholm liegt das Nautineum, das sich mit der Unterwasserwelt beschäftigt.

Den Abend verbringen wir mit Anti-Brumm und Räucherspiralen zur Mückenabwehr vorm Zelt. Im Zelt wäre es einfach zu warm und zu eng.

Tag 8:
Wir lassen uns mit dem packen Zeit und stopfen noch unsere Klamotten in die Waschmaschine. So langsam merkt man das wir die Kleidungung seit einer Woche ununterbrochen am Körper tragen.

Um 12 Uhr sind wir Startklar und brechen zum Bahnhof Altefähr auf. Wir folgen der alten Kopfsteinpflasterstrasse zurück zum Bahnhof. Unterwegs pflügen wir Händeweise Wildpflaumen von den Bäumen und vernaschen sie. Unglaublich wie süß diese kleinen Dinger sind. Auf dem Hinweg hatte ich den ersten Baum sogar für Mirabellen von der Größe her gehalten. Bis mir auffiel das die Blätter nicht passten.

Am Bahnhof angekommen müssen wir auch nicht lange auf unseren Zug warten der uns nach Binz bringen soll. Sogar bezahlen können wir, denn nach ein paar Minuten steht ein Schaffner vor uns. Die halbe Stunde Fahrtzeit verbringen wir im stehen, so voll ist der Zug. An uns gleiten verfallene Häuser und stillgelegte Bahnhöfe umsäumt von Ackerflächen vorbeit.

Nach einer halben Stunde Fahrt kommt unser Zug in Prora an wo wir aussteigen und zum Camping Meier laufen.

Bei dem Namen Prora klingelt es vielleicht bei dem ein oder anderen. Denn hier an der Prorer Wiek entstand durch die Nazis ab 1936 das KdF Prora. Ein 4,5km langer Koloss für bis zu 20.000 Urlauber. Die Bauarbeiten wurden durch den Beginn des zweiten Weltkriegs unterbrochen. Nach dem Krieg stellte die Russische Besatzung 5 Blöcke auf einer Länge von 2,5km länge fertig und nutzte sie danach Militärisch. Nach der Wende wurde Prora noch eine Zeit durch die Bundesrepublik genutzt. Seit 2004 werden die noch bestehenden Teile kernsaniert und zu Ferienapartements umgebaut. Heute kann man eine solche Immobilie für schon 289.000€ erwerben.

Als wir am Camping Meier ankommen herrscht gerade Mittagsruhe und die Rezeption hat geschlossen. Wir kehren ins Restaurant des Campings ein und bestellen zu Mittag.
Um drei geht es dann zur Rezeption und wir buchen für zwei Nächte einen Platz.
Nachdem das Zelt steht und alles verräumt ist machen wir uns auf den Weg zum Strand. Am Zeltplatz kann man schon deutlich die Brandung hören. Unterwegs passieren wir auch den ersten der fünf Prora Blöcke. Es ist einfach nur eine gigantische Anlage die sich im leichten Bogen um die Prorer Wiek zieht.
Am Strand angekommen folgen wir diesem ein Stück und schauen dabei den Wellen zu wie sie über die Sandbänke rollen.


Danach geht es wieder durch die Dünen zum Koloss von Prora an dem wir für einen Kilometer entlang laufen und die Sanierungsarbeiten begutachten. Es ist wirklich interessant zu sehen wie sich der alte Bau in eine moderne Fassade mit Gastronomie verwandelt.
In eine dieser Gastronomien kehren wir auf Pizza und Bier ein und lassen den Abend dort in aller Ruhe ausklingen bevor wir zu unserem Camping zurück kehren.

Tag 9:
Nach dem Frühstück geht es am Strand entlang Richtung Binz. Auf halber Strecke erwischt uns ein dicker Platzregen. Schnell machen wir uns auf Richtung Strandpromenade und kommen dort unter einem Terassenschirm unter.

Nach dem Regenguss gehen wir wieder hinunter zum Strand und laufen weiter bis zum Zentrum. Dort schlendern wir durch die Gassen und finden uns dank mangelden Frühstück bei einem Bäcker zu belegten Brötchen und Kaffee wieder. Dann geht es weiter von Schaufenster zu Schaufenster und laufen dann weiter zum Ostbahnhof. Dort fährt der Rasende Roland, die bekannten Dampfloks von Rügen.

Schon lange wollte ich einmal mit diesem Zug fahren. Heute ist es also so weit. Wir steigen in den Zug ein und mit gemächlichen 30 Stundenkilometern bringt uns der Zug vorbei an Siedlungen und durch Buchenwäldern. Immer dabei den Kopf im Wind und den Geruch von brennenden Kohlen in der Nase. Kein Vergleich mit modernen Zügen. Damals muss so eine Zugfahrt noch ein kleines Abenteuer gewesen sein.

Nach einer halben – dreiviertel Stunde erreichen wir das Seebad Göhren. Die Endstelle des Rolands. Von hier laufen wir hinunter zum Strand und folgen ihm entlang der Steilküste auf der Suche nach Hühnergöttern.

Als Hühnergott wird volkstümlich ein Stein mit einem natürlich entstandenen Loch bezeichnet. Die Bezeichnung Hühnergott und die Vorstellung, mit als Amulett gedeuteten entsprechenden Gegenständen das Hausgeflügel gegen böse Geister schützen zu können, stammen aus einem sehr alten slawischen Volksglauben. Im vorliegenden Fall geht es um die Abwehr des schädlichen Einflusses eines weiblichen Hausgeistes, der so genannten Kikimora.

Mir sind Hühnergötter zum ersten Mal in Dänemark begegnet. Dort heißen sie Kyllinggods und hängen zum Teil an Stricken aufgehängt an Haustüren.

Leider werden wir an diesem Tag nicht fündig. Zuviele Touristen suchen immer danach. Daher haben auch die Souvenierläden reagiert und verschachern Hühnergötter für einen Preis von 1-3€ das Stück.

Wir laufen noch ein Stück weiter entlang der Steilküste und genießen es mit den Füssen im Wasser zu stehen. Dann wird es bald auch schon wieder Zeit den Rückweg anzutreten.

Am Bahnhof angekommen warten wir im Bahnhofsrestaurant auf unseren Zug. Dann geht die Fahrt wieder gemütlich mit 30 km/h zurück nach Binz und weiter mit dem Bus zum Campingplatz.

Im Restaurant des Campings kehren wir noch zum Abendbrot ein und bestellen auch gleich für den kommenden Morgen Frühstück.

Tag 10: Die Rückfahrt

In der Nacht hat es kräftig geregnet und so packen wir nach unserem Frühstück ein klätschnasses Zelt und Tarp ein. Dann geht es wieder zurück zum Bahnhof Prora. Eine Stunde später finden wir uns in Rostock wieder und machen noch einen Ausflug nach Warnemünde. Aber zu überfüllt ist mir die Promenade. Am Kai liegt gerade eines der AIDA Kreuzfahrtschiffe. Hinzu kommt das uns die Touris anschauen als ob wir von einem anderen Stern wären. Als wir vor einem Jack Wolfskin Store stehen bleiben hören wir von der Seite den Kommentar ob wir wohl den Mount Everest besteigen wollen. Wir schauen uns nur Fragend an.

Wir laufen noch hoch bis zur Mole und machen uns dann wieder auf dem Weg zum Bahnhof. Um 16.45 Uhr geht unser Zug zurück nach Dortmund.

Fazit: Der E9, oder Ostseewanderweg ist ein wirklich schön zu gehender Wanderweg. Größtes Manko sind die oft fehlenden Markierungen blauer Balken auf weißen Grund. Dafür findet man an jeder Ecke die Beschilderung des Ostseeradwegs. Dieser führt zwar teilweise die selbe Route, jedoch nicht immer. Auch liegen Campingplätze oft 20 Kilometer und mehr auseinander. Mit dem Fahrrad kein Problem. Jedoch hat man zu Fuss nicht immer Lust bei 28 Grad und mehr mal eben 20km + zu laufen. Auch ist man entlang des Wanderweges wohl eher auf Radwanderer eingestellt. Wanderer mit großem Rucksack werden doch schon recht schräg angeschaut, hatten wir zumindest das Gefühl.

Alles in allem war es eine recht schöne Tour. Würde ich sie wiederholen dann aber eher in der Vor oder Nachsaison im Frühling oder sogar noch lieber im Spätherbst.

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