Eine spätherbstliche Tour

Lange hatte ich mir Gedanken über meine Tour im April in der Austhei gemacht. An dem Tag als ich mich auf der Skarsvassbu für den Abbruch der Tour und eine Rückkehr entschied war mir klar ich ich in dieses Wandergebiet zurück kehren möchte um die Strecke erneut in Angriff zu nehmen

Nadine und ich beschlossen dieseTour während unseres Urlaubs im Oktober gemeinsam in Angriff zu nehmen. Zwar waren Nadine und ich für eine Wandertour schon sehr spät dran, aber das war uns egal.

Mitte September komme ich mit Vanja aus der Schweiz in Kontakt. Vanja will im nächsten Jahr Norge på langs laufen. Aber da er auf seiner NPL Tour dieses Gebiet umgehen möchte will er Zeitgleich mit uns durch dieses Gebiet streifen. Wir planen die nächsten Wochen die Tour durch und kommen auf die Idee nicht nur bis Hovden zu laufen sondern es bis zur Haukeliseter Fjellstue zu versuchen.

Und so brechen wir am 06. Oktober zu unserer Spätherbstlichen Norwegentour auf. Das Auto ist bereits am Tag zuvor gepackt worden und eine Hütte auf dem Hirtshals Camping ist gebucht. Am Nachmittag sammel ich meine Frau in der Stadt auf und wir machen uns auf den Weg nach Dänemark. Um 23 Uhr erreichen wir, nachdem wir von einem Stau in den nächsten gekommen sind, endlich den Campingplatz.

Wir beziehen die Hütte und machen uns noch ein wenig Gedanken darüber wie wir morgen ins Tovdal kommen. Im April war ich noch von Nelaug in einem 1 1/2 Tagesmarsch ins Tovdal gewandert. Dieses Mal möchten wir so schnell wie möglich auf der Skarsvassbu ankommen.

Als wir spät Abends in Hirtshals ankommen hat Vanja bereits sein Zelt irgendwo am Nelaug in Norwegen aufgeschlagen und sich erkundigt wie man ins Tovdal kommt. Er findet nur einen Taxifahrer der die Tour Åmli – Nelaug – Tovdal machen würde. Dies hat jedoch auch seinen Preis. 1500NOK, also 163€, möchte er für die Strecke haben. Wir schlucken und müssen diese Summe erstmal verdauen. Ich buche noch Fähre und Zug und dann gehen wir ins Bett. Wie es mit uns morgen ab Nelaug weiter geht entscheiden wir spontan.

 

07.10.2016

Das ist die letzte Dusche für zwei Wochen denke ich mir wie ich am morgen unter der Brause stehe. Wir haben noch alle Zeit der Welt. Denn um halb eins geht erst unsere Fähre. Aus Nelaug erreicht uns am Morgen bereits ein Hammer Sehnsuchtsfoto und ich kann es kaum noch erwarten bis wir im Fjell sind. Vanja hingegen hat sich in einem Schulbus einquartiert und gurkt in diesem bis Åmli und läuft dann weiter gen Dølemo.

Wir machen uns um elf auf den Weg Richtung Colorline Check In. Wie wir im Terminal warten entscheiden wir uns spontan das Taxi zu buchen. Ich rufe in Norwegen an und frage den Taxifahrer ob er uns am Nachmittag von Nelaug ins Tovdal bringen würde. Er sagt uns zu und ich hoffe die Fahrt über das er auch wirklich am Bahnhof steht. Ich habe ehrlich gesagt nicht wieder Lust auf eine Nacht am Strassenrand und wäre froh am Abend eine warme Hütte zu beziehen. Nadine stimmt mir da zu.

Endlich beginnt auch das Boarding und um halb eins verlässt die Fähre den Hafen von Hirtshals. Wir genießen den Kaffee an Bord und kommen um 15.30 Uhr in Kristiansand an.

Wir haben noch eine halbe Stunde Zeit und gehen noch im Outdoorladen für Vanja auf die Jagd nach Handschuhen. Zwischenzeitlich hatte er sich gemeldet und gefragt ob wir ihm welche besorgen könnten. Offenbar hat er seine Zuhause vergessen. Aber Fehlanzeige! Handschuhe ja, aber keine leichten. So ziehen wir unverrichteter Dinge Richtung Bahnhof.

Langsam müssen wir uns auch sputen, denn der Zug fährt schon in drei Minuten. Aber alles passt und so finden wir uns pünktlich um vier im Zugabteil auf dem Weg nach Nelaug wieder. Dort steigen wir eine Stunde später aus UND! siehe da unser Taxi wartet auf uns. Geht doch! Ich bin über meine nicht vorhandenen Englisch Kenntnisse immer wieder erstaunt. Wir steigen ein und die Fahrt geht los.

Wir fliegen nur so über die Strasse die ich im April noch gelaufen bin und es kommen ein paar schöne Erinnerungen hoch. Nadine zeige ich in der Vorbeifahrt wo ich im April an der Strasse gecampt habe und ich sehe in ihrem Blick das sie mich doch für ein wenig bekloppt hält.

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Mein Lagerplatz aus April am Strassenrand der 415 bei Simonstad

Vanja meldet sich zwischenzeitlich auch. Er ist inzwischen auf dem Weg zur Skarsvassbu und will dort die Nacht verbringen und freut sich bereits auf unsere Ankunft. Er hat sogar Bier besorgt und den elenden Anstieg zur Hütte hoch geschleppt.

Wir erreichen den Pfad der von Øvre Ramse zur Hütte hoch führt um kurz vor 18 Uhr. Wir bezahlen die nette Fahrerin und schultern unsere Rucksäcke. Dann geht es an den ekligen Anstieg der mir noch vom Frühling so schlecht in Erinnerung ist. Hinter den Bergen des Tovdals versinkt langsam die Sonne und als wir den Nevretjønn erreichen müssen wir auch langsam unsere Kopflampen heraus kramen.

Die letzten drei Kilometer zur Hütte laufen wir nur im Schein unserer Lampen. Denn es ist mittlerweile stockfinster. Zwischendurch bleiben wir kurz stehen, machen die Lampen aus und lassen die Dunkelheit und die Stille auf uns wirken. Über uns leuchtet ein Sternenhimmel bei dem man sich am liebsten ins Gras legen und nur hochschauen möchte. Aber wir müssen weiter!

Wir passieren den Åbog Kamm und von nun an geht es noch einen knappen Kilometer abwärts zur Hütte. Gelegentlich bilde ich mir ein das Rauch in der Luft liegt. Es könnte von der Hütte kommen, denn die Windrichtung passt. Hier in der Dunkelheit kommen mir die beiden jungen Norweger von April wieder in den Sinn. Die beiden Jungs erzählten mir ja damals das Sie durch den Schnee stapften und in der Dunkelheit ein Licht gesehen hätten was ja nach Ihrer Meinung die Hütte gewesen wäre. Die ganze Zeit halte ich ausschau, da Vanja mir versprochen hatte das Licht für uns anzulassen. Aber wir sehen nichts.

Plötzlich taucht vor uns in der Dunkelheit ein Wegweiser auf. Echt jetzt!? Denke ich mir und spreche es wohl auch laut aus, denn Nadine fragt mich was ich meine. Ich weise auf das Schild hin und sage ihr das wir schon an der Hütte sind. Sie schaut mich nur an und fragt, wo?! Mit der Kopflampe leuchte ich in Richtung der Tannen und zeige wo die Hütte steht. Man sieht nichts, kein Licht, gar nichts.

Wir passieren die kleine Brücke, laufen durch die Tannen und stehen unvermittelt vor der Hütte vor der ein Lagerfeuer lodert und innen Licht brennt. Wieder kommen mir die beiden Norweger in den Sinn. Wie konnten die das sehen? Oder was haben die beiden geglaubt zu sehen. Egal. Wir stiefeln zum Eingang der Hütte wo wir auch schon wärmstens empfangen werden.

Drinnen bollert dank Vanja der Ofen und so können wir unsere schlammigen Hosen trocknen. Denn der kurze Weg hat uns einen Vorgeschmack geboten was in den nächsten Tagen noch vor uns liegt.

Es ist kurz nach 20 Uhr als wir es uns auf der Bank der Skarsvassbu gemütlich machen, ein Bier genießen und es uns bis tief in die Nacht einfach nur gut gehen lassen. Nadine tut mir bereits jetzt leid. Denn bei Vanja und mir dreht sich fast alles nur um das Thema NPL und die Route. Und das wird auch noch einige Zeit anhalten. Zum Glück hat meiner Frau mit mir eine Engelsgeduld und dafür bin ich wirklich dankbar.

 

07.10.2016

Am Morgen kriechen wir um halb neun aus den Penntüten. Die Nacht war doch ein wenig lang. So lassen wir es langsam angehen und machen uns gegen elf auf den Weg. Vanja lässt sich noch ein wenig Zeit und wir schon mal vor. Wir gehen den Weg zurück bis zum Wegweiser und folgen dem Pfad zur Grunnetjørnsbu, unserem nächsten Ziel.

 

Blick über die Brücke zurück zur Hütte die sich hinter den Tannen versteckt

Der Weg unter unseren Füssen schmatzt nur so und der Wanderstiefel versinkt teils bis zum Knöchel im Schlamm. Teilweise verhindert nur die Hose das der Morast einen Weg in den Stiefelschaft findet. Und so ist es kaum verwunderlich das wir mit 2km/h im Schneckentempo durch die Landschaft kriechen.
Nach zwei Stunden haben wir gerade einmal drei Kilometer geschafft. Schuld ist der Schlamm in dem man ständig stecken bleibt und ein 200Hm Anstieg der einem bei dem ganzen Gerutsche einiges abverlangt.

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Nach einem weiteren Kilometer stehen wir vor dem nächsten Anstieg und fragen uns ob wir unser Klettersteiggeschirr hätten mitnehmen sollen. Wir sind doch keine Bergziegen und schütteln nur den Kopf. So beschließen wir vor dem Anstieg erst einmal eine Pause zu machen und eine kleinigkeit zu essen bevor wir weiter gehen.

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Während wir da so sitzen kommt auch Vanja um die Ecke und gesellt sich zu uns. Wir halten noch ein wenig inne, dann nehmen wir den Anstieg von dem wir nicht wirlich glauben das es auch wiklich der richtige Weg ist in Angriff. Hier zeigt sich uns langsam wie tückisch die Wege sind. Die Wegmarkierungen sind nicht immer ersichtlich und die Wege verwechselt man leicht mit Tierpfaden.

Auf allen vieren krabbeln wir den Schweißtreibenden Anstieg hinauf und werden oben angekommen sogleich mit einer großartigen Aussicht belohnt.

Wir folgen den roten Wegmarkierungen so gut wir können durch Senken und über Kuppen hinweg. An einem Aussichtspunkt machen wir kurz Pause und beobachten einen Jäger und seinen Hund der auf uns zu kommt. Der Hund spurtet bellend zu uns hinauf während der Jäger unten in der Senke und irgendwas auf norwegisch zu ruft wie „der Hund sagt uns guten Tag“.

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Auf unsere Frage ob er wüsste wie weit es noch bis zur nächsten Hütte ist weiß er keine Antwort, da er in der Nähe eine private Hütte besitzt. Aber er würde auf ca. vier Stunden schätzen. Auf unseren Karten schauen wir nach wo wir uns wohl gerade befinden und wie weit wir heute wohl noch kommen. Bis zur nächsten DNT Hütte werden wir es wohl nicht mehr schaffen. Da fällt uns auf der Karte eine Stromleitung auf die unsere Route kreuzt. Vanja mutmaßt das man dort evtl einen Lagerplatz finden könne da unter den Stromleitungen in der Regel nur Grasland ist. Wir geben ihm recht und planen uns dort wieder zu treffen um unser Lager an der Stelle aufzuschlagen. Wir machen uns wieder auf den Weg hinunter vom Aussichtspunkt zum Sumpf und versinken sogleich wieder bis zum Knöchel im Schlamm.

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So langsam geht es auf die 17 Uhr zu und bald wird es anfangen zu dämmern. Für uns das sichere Zeichen einen Lagerplatz zu suchen. Doch in den Senken bei all dem Schlamm und auf den Kuppen mit dem überwucherten Heidekraut das einem bis zum Schienbein geht ist es schwierig einen geeigneten Lagerplatz zu finden. Das schlimme ist das wir nach GPS und Karte noch immer noch 3-4 Kilometer von der Stromleitung entfernt sind. Eigentlich nicht viel, aber der Sumpf ist kräftezehrend und man kommt nur langsam voran.

Wie wir uns um einen See herum bewegen sehen wir auch wieder Vanja der uns immer eine gute halbe Stunde voraus läuft. Als wir die Stelle wo wir Ihn gesehen haben erreichen ist es bald 18 Uhr. Wir beschließen noch einmal alle Trinkflaschen für den Abend aufzufüllen und jetzt endgültig ein Lager zu suchen. Nachdem wir aufgefüllt haben machen wir uns wieder daran den Hügel hinter dem See zu erklimmen. Dort oben angekommen wartet auch schon Vanja, der der gerade eine kleine Rast einlegt. Hier oben wäre ein halbwegs brauchbarer Lagerplatz und eine Feuerstelle. Wir werden definitiv den Abend hier bleiben werden, da Nadine langsam die Kräfte schwinden. Der Tag und das Gelände haben ihr so beinahe alles abverlangt. Wir beschließen zu dritt hier zu bleiben und machen uns sogleich an den Aufbau der Zelte und tragen im Anschluss Holz für ein Feuer zusammen.

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Im Licht des Mondes verbringen wir noch einige Stunden am Feuer bevor es dann in die Zelte geht. .

 

08.10.2016

Was für eine Nacht! Es war nicht kalt, aber durch das Heidekraut auf dem die Zelte standen haben wir eine Senke nicht gesehen. Dadurch bin ich die halbe Nacht in dieses Loch gerollt und musste mich mühsam wieder raus winden. Und Juhu!!! mein Rücken meldet sich wieder zu Wort. Die Nacht über nur mit einem ziehen und stechen was das umdrehen in der Kuhle nur um so schwieriger gemacht hatte, aber heute morgen beim Zeltabbau geht es so richtig los.

Als ich den Rucksack anheben möchte gelingt noch nicht mal mehr das und ich könnte fast schreien vor Schmerzen. Scheiße nochmal! Ich hatte mir vorsichtshalber Medikamente bei Bandscheiben Problemen verschreiben lassen und nehme sogleich zwei Tabletten. Nadine hilft mir beim aufsetzen des Rucksacks. Vanja bleibt noch ein wenig und wärmt sich am Feuer während er frühstückt. Wir verabschieden uns und gehen stark davon aus der er uns in einer Stunde eh wieder einholt.

Sofort hinter unserem Lagerplatz führt uns der Weg den Hang hinunter und hinein in den Matsch. Das Bergab macht mir höllische Probleme und wir kommen nur langsam voran. Aber so allmählich scheinen die Tabletten zu wirken. Der Schmerz ist nicht mehr ganz so schlimm. Nach zirka einer Stunde unterqueren wir die Stromleitung. Gut das wir nicht noch am Vortag weiter gelaufen sind. Einen Lagerplatz hätten wir nicht gefunden. Nur kleine Tümpel und Sumpf.

Schon den ganzen morgen gehen mir die Totensümpfe aus dem Herrn der Ringe durch den Kopf. Allem Anschein nach muss Tolkien diese Gegend auch bereist haben.

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Zwischenzeitlich holt uns auch Vanja wieder ein und wir beschließen unm 12 Uhr eine Rast einzulegen. Er zieht sogleich auch wieder an uns vorbei.

Der Weg geht wie am Vortag durch Senken und über Kuppen hinweg. Als wir kurz vor 12 einen Grat überwinden sehen wir auch unsere Begleitung gerade in einer Senke Wasser nachfüllen. Wir machen kurz Rast trinken und essen was und Vanja erzählt uns das er sich bei den schlecht markierten Wegen vorhin ein paar mal übel verlaufen hat. Uns ging es einige male eben so. Leider sind die Markierungen an den Bäumen teils stark verwittert und man folgt, weil man es nicht besser sieht, schnell einem Tierpfad und man läuft schnell in die verkehrte Richtung.

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Nachdem wir uns gestärkt haben machen wir uns wieder auf den Weg. Wir wollen heute nur noch bis zur Grunnetjørnsbu DNT, Vanja hingegen möchte noch weiter laufen. Er will die Kilometer vom Vortag noch aufholen. Somit verabschieden wir uns voneinander.

Nach weiteren acht Kilometern kommt am Nachmittag endlich eine Hütte in Sicht und laut GPS sollte das die Grunnetjørnsbu sein.

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Wie wir über den letzten Hügel kommen sehen wir aus dem Kamin Rauch empor steigen. Als wir auf die Terrasse treten öffnet sich die Tür und unsere Begleitung steht vor uns. Vanja hatte keine Lust mehr weiter zu laufen und will wie wir die Nacht hier verbringen. Er war zwar am überlegen ob er weiter läuft, aber der Tag hat ihn auch einiges an Kraft gekostet. Wir können es nachvollziehen. Wenn wir so an uns hinunter schauen kann man schon ganz gut erkennen bis wohin man so im Schlamm steckte.

Wir hängen unsere Sachen zum trocknen über dem Ofen auf und beziehen eine der Lager. Dann gehts ans Kochen, denn der Magen hängt uns fast in den Kniekehlen.

 

10.10.2016

Beim Blick aus dem Fenster scheint der Tag alles andere als einladend zu werden. Am liebsten würden wir uns wieder in die Schlafsäcke verdrücken, aber das geht leider nicht. Für heute stehen 19km Fjell auf dem Plan. Das ist die Distanz bis zur nächsten Hütte. Da es am nieseln ist ziehen wir die Regensachen an und verlassen nach dem Frühstück um neun die Hütte. Unsere Begleitung holt uns dann später wieder ein.

Wie am Tag zuvor geht es einen ordentlich schlammigen Hang hinunter. Zum Glück spielt mein Rücken heute wieder mit. Vorsichtshalber hab ich noch einmal eine Tablette eingeworfen. Es geht wie am Tag zuvor über Felsen mit Heidekraut und Kiefern bewachsen bergauf und wieder hinunter in Senken mit Gras und Sumpf.

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Eine halbe Stunde nach Aufbruch holt uns auch Vanja wieder ein. Wir machen für 11.30 Uhr eine gemeinsame Pause aus und schon schießt er wieder davon.

Langsam fängt es auch an ein wenig aufzuklaren und man kann ein wenig die Fernsicht genießen. Die Regensachen lassen wir dennoch an. Wie es auf halb zwölf zugeht entecken wir auch in etwas entfernung den bekannten blauen Rucksack und halten drauf zu. Als wir zu ihm aufgeschlossen haben erzählt er uns das er schon seit fast einer halben Stunde auf uns wartet. Man sind wir wieder langsam. Wir genießen die kurze Rast planen für 15 Uhr eine weitere gemeinsame Pause ein und weiter gehts. Wir nähern uns einem Abstieg über den wir am Vorabend noch fleißig disskutiert hatten und der mir jetzt gerade wegen des Nieselregens ein wenig Respekt einflößt. Die ersten Meter verlaufen noch sanft abfallend doch dann geht es steilt bergab. Während mir der Abstieg weniger Probleme bereitet weiß meine Frau nicht wie sie sich in dem rutschigen Lehm festkrallen soll. Später brauche auch ich beide Hände um mich irgendwo festhalten zu können, denn mich reißt es einmal fast von den Füßen und ich kann mich nur mit Mühe an einem Baum fangen.

Die 100Hm und zweihundert Meter Distanz runter kosten uns annähernd eine Stunde. Aber wir kommen unten an. Wir folgen dem Weg nun durch den Wald und wenn wir es nicht besser wüssten könnten wir glauben wir wären gerade im Sauerland. Dann geht es aus dem Wald hinaus und wir finden uns an zwei Seen wieder.

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Hier geht es einmal komplett über die Landzunge und über einen dahinter liegenden Damm der die beiden Seen voneinander trennt und auf dessen anderer Seite ein paar Boote am Ufer liegen. Wir nutzen die Zeit um einmal ordentlich Luft zu holen.

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Es ist mitlerweile schon weit nach 15 Uhr und Vanja wollten wir um drei getroffen haben, doch nirgends eine Spur von ihm. Wir beschließen ersteinmal weiter zu laufen. Evtl wartet er ja noch irgendwo auf uns. Hinter dem Rukkevatn und Krokkevatn beginnt wieder ein ausgedehntes Sumpfgebiet das uns gehörig ausbremst.Wir sind froh das wir einige Zeit später in höheres Gelände gelangen in dem es trockener ist.

Wir haben bereits 17 Uhr durch als wir endlich an die lang ersehnte Weggabelung von Vindilhytta / Granbustøyl erreichen und noch immer keine Spur von unserer Begleitung. Die wie wir vermuten eine gute Stunde Vorsprung zu uns haben muss. Also etwa 3-4 km.

*Wie wir zu einem viel späteren Zeitpunkt erfahren hatte er an dem Damm auf uns gewartet, sich aber da es dort sehr windig und kalt war wieder auf den Weg gemacht.

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Wir beschließen noch ein Stück zu laufen und halten währenddessen nach einer Zeltmöglichkeit ausschau. In der Grunnetjørnsbu war auf einer Wandkarte in Höhe des Klovsteinen eine Zeltmöglichkeit markiert. Nun hier oben auf dem Bergrücken bläst doch ein ziemlich kalter und böiger Wind und ich spähe immer wieder in die Senken zu den kleinen Tümpeln und Seen hinunter ob es irgendwo eine Möglichkeit gibt das Zelt aufzuschlagen. Erst gute zwei Kilometer hinter der Weggabelung in der nähe eines Sees mitten auf dem Klovsteinen mit 760M finden wir einen brauchbaren Lagerplatz. Da wir schon nach 18 Uhr haben machen wir uns daran unser Zelt aufzubauen. Wir entledigen uns unserer Rucksäcke und packen die Sachen aus.

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Während ich das Zelt aufbaue und danach die Wasserflaschen unten am See fülle richtet Nadine uns häuslich mit Isomatten und Schlafsäcken ein. Dann verschwinden wir in der beginnenden Dämmerung rein ins Zelt. Das Kochen findet nur noch aus der Daunentüte heraus in der Apsis des Zeltes statt da der Wind immer stärker wird. Wir lassen uns unser Abendbrot und den heißen Kakao dennoch schmecken bevor wir uns einrollen.

Die Nacht über wird unser Zelt ganz schön durchgerüttelt und ich bin froh das ich alle Abspannleinen festgemacht habe.

 

11.10.2016

Es ist erst kurz nach sieben als ich wach werde. Die Nacht habe ich nur sehr unruhig geschlafen. Denn unser Zelt wurde doch ziemlich durchgeschüttelt. Ich öffne die Schlafkabine und zieh das kleine Thermometer heran das ich die ganze Zeit schon mit mir führe. Es zeigt draussen -4° an und in der Kabine gerade mal -1°. Ich zieh wieder den Reißverschluss zu und dreh mich wieder in den Schlafsack ein. Das ist mir doch zu kalt. Aber es hilft nichts. Ich muss leider mal raus vor das Zelt. Ich schnapp mir die Daunenjacke, ziehe die Crocks an und trete vor das Zelt. Wie ich zum Hang rüber gehe und auf den kleinen See unter mir schaue, wo ich gestern noch was geholt hatte, blicke ich nun auf eine fast geschlossene Eisschicht. Ich troll mich zurück zum Zelt und bin froh das ich wieder in den Schlafsack kriechen kann. Dann entzünde ich die kleine Gaslaterne, mache den Kocher an und fange an Wasser für Kaffee und Müsli zu kochen. Nadine ist auch schon wach und so genießen wir unser Frühstück bevor wir uns um halb zehn auf den Weg zur Granbustøyl machen.

Wir laufen noch ein Stück über den Bergrücken bis es dann langsam hinunter ins Sumpfland geht. In der Senke angekommen entdecken wir hinter Kiefern eine flatternde Plane vor einem Vorsprung. Das soll wohl die Zeltmöglichkeit sein die auf der Karte eingezeichnet war. Das wäre mit der flatternden Plane aber auch keine schöne Nacht geworden. Der Weg führt den großteil der Strecke durch Senken mit Grasland. Nur einmal geht es an einer Bergflanke entlang durch Wald. Aber auch hier führt der Weg bald wieder hinab.

Am Abend zuvor hatten wir uns noch gefragt ob Vanja sein Lager wohl in unserer Nähe eingerichtet hat. Heute folgen wir bereits den ganzen Tag seinen Spuren.Wir mutmaßen langsam das er es entweder bis kurz vor die Hütte oder sogar bis dahin geschafft hat. Wenn er es noch da hin geschafft hat aber wahrscheinlich in der Dunkelheit.

Nach vier Stunden Marsch entdecken wir in der Ferne eine Hütte stehen. Das müsste nun die Granbustøyl sein. Noch ein paar Kilometer und wir sind da. Wir können es auch kaum erwarten. Denn das Weg wird trotz der Bolen die im Sumpf liegen immer schwieriger.

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Blick hinüber zur Granbustøyl DNT

Es folgt noch einmal eine Passage mit Sumpfland, dann endlich steigen wir zur Granbustøyl auf. Endlich sind wir da. Gefühlt wurde der Weg nämlich immer anstrengender.

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Vor der Hütte entledigen wir uns unserer Rucksäcke und betreten voller Spannung die Hütte.

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Als wir im Vorraum die Tür zur Stube öffnen schlägt uns gleich eine behagliche Wärme entgegen. Der Ofen glüht noch und auf dem Tisch liegt ein Zettel für uns.

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Vanjas Brief an uns auf dem Esstisch der Granbustøyl

Vanja dieser Teufelskerl ist am Tag zuvor wirklich die gesamte Strecke bis zur Granbustøyl gelaufen. Das mit fast leeren Akkus in der Kopflampe und am Ende seiner Kräfte. Gott sei Dank ist im auf dem Weg nichts passiert. Denn Hilfe wäre erst einen Tag später eingetroffen!

Leider haben wir ihn wieder einmal um eine gute halbe Stunde verpasst. Er ist schon auf dem Weg zur Nutevasshytta und will an der ersten oder zweiten Weggabelung zur Kvipt Gjestegard sein Lager für die Nacht aufschlagen.

Wir werden auf jeden Fall heute nicht mehr weiter laufen. Auch wir sind ziemlich ausgepowert und merken das wir Tagelang im Morast steckten. Und somit machen wir es uns für den Tag auf der Hütte gemütlich. Für den morgigen Tag schauen wir ob wir weiter laufen oder noch einen Ruhetag einlegen. Denn durch die kalte Witterung und der sehr schlechten Wege werden wir es nicht wie geplant bis nach Hovden geschweige denn Haukeli schaffen. Das wir bis Haukeliseter durch kommen hatte ich eh nicht für machbar gehalten. Aber Hovden sah eingentlich sehr realistisch aus. Für uns steht fest das wir wenn nur noch bis Valle im Setesdal laufen werden und dann den Rückweg nach Kristiansand in Angriff nehmen. Aber erstmal genießen wir den Abend auf dieser Sau gemütlichen Hütte.

 

12.10.2016

Wie ich morgens aus dem Schlafraum komme und den Ofen anheize schaue ich am Fenster auf das Thermometer. -7° zeigt es an! Brrr das ist mir zu kalt. Sogleich fällt mir unser Freund aus der Schweiz wieder ein. Hoffentlich geht es ihm gut.

Als Nadine wach ist und wir gemeinsam Frühstücken, planen wir unser weiteres Vorgehen. Sie hat nicht wirklich Lust bei solchen Temperaturen noch eine Nacht im Zelt zu machen und ich kann es ihr nicht verübeln. Also wie geht es weiter? Wir werden es uns heute hier auf der Hütte gut gehen lassen und morgen dann über Øvre Birtedalen absteigen und versuchen nach Fyresdal zu kommen. Das Problem ist, das ich nicht weiß wie wir von dort aus nach Valle, Åmli oder Kristiansand zurück kommen. Aber, det ordner seg! Das wird schon. Getreu diesem Motto gehen wir das ganze ruhig an.

Während meine Frau sich den Tag auf der Hütte einen faulen macht, laufe ich hoch zur Rjupetoheii um die Aussicht auf den Grøssæ und das Umland zu genießen, denn der Tag scheint sehr vielverprechend zu werden.

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Die drei Kilometer hinauf auf den Gipfel fliegen so ohne Gepäck und vor allem auf den trockenen Felsen nur so dahin. Und so genieße ich diesen Wahnsinns Herbsttag in vollen Zügen, bevor ich mich langsam gegen Mittag wieder auf den Rückweg mache.

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An der Hütte zurück machen wir uns noch einen schönen Tag eh es dann am Abend in die Kiste geht.

 

13.10.2016

Am morgen machen wir klar Schiff auf der Hütte. Wir füllen Wasser auf und holen noch Brennholz aus dem Schuppen. Dann machen wir uns auf den Weg gen Øvre Birtedalen. Die Nacht war wieder Sau kalt und hinzu kommt noch ein Hauch von Schnee.


Nach drei Kilometer stoßen wir im Tal auf die Strasse nach Øvre Birtedalen.

Die Brücke schaut schlimmer aus als sie ist

Jetzt mit festem Untergrund unter den Füssen fliegen die Kilometer nur so dahin. Nach drei Kilometern passieren wir Birtedalen und nach vier weiteren kommen wir an die Weggabelung zur Landstrasse 401/402.

Von hier haben wir nun die Möglichkeit nach Fyresdal zu laufen oder entlang des Nesvatn zur Vindilhytta und irgendwi nach Åmli.

Wir entscheiden uns für Fyresdal und folgen der Strasse.


Gelegentlich fährt an uns ein Auto vorbei. Aber niemand hat Mitleid mit uns. Erst nach 35kmWegstrecke, kurz vor den Serpentinen hinunter zum Fyresvatn hält ein Auto an.  Der Fahrer fragt ob er uns mitnehmen könne. Er würde in Richtung Fyresdal fahren. Da sagen wir nicht nein. Denn die Fahrtstrecke beträgt nochmal gut und gerne 20km und wir sind heil froh das wir eine Mitfahrgelegenheit gefunden haben.

An der Wegkreuzung zu Fyresdal lässt uns der Fahrer raus, denn er fährt noch weiter nach Krossli. Die letzten zwei Kilometer schaffen wir aber noch alleine. Unterwegs suche ich uns in Fyresdal eine Unterkunft und werde im Zentrum mit einem Bed & Breakfast fündig. Dort angekommen rufe ich die Besitzerin an, da niemand in der Pension ist.

Ein paar Minuten später kommt sie auch schon angeradelt und wir bekommen ein schönes Doppelzimmer mit Frühstück.

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Nur für unser Abendbrot müssen wir selber sorgen. Also überfallen wir noch schnell den Spar im Zentrum und kehren mit Chips, Bier und Cola zurück. Im B&B unterhalten wir uns ein wenig mit der Herbergsmutter. Sie ist neugierig wo wir unterwegs waren und erzählen ihr ein wenig von der Tour und was wir nun vorhaben. Sie bietet an für uns nachzuschauen ob ein Bus nach Åmli fährt. Nach einer halben Stunde kommt sie mit Busfahrplänen zurück. Nach Åmli fährt kein Bus, aber wir könnten über Seljord nach Hovden gelangen. Von dort könnten wir mit dem Setesdalsekspressen nach Kristiansand gelangen.
14.10.2016

Wir sitzen im Aufenthaltsraum des B&B und studieren die Buspläne während uns die Pensionsbesitzerin Frühstück serviert. Wir haben uns am morgen gegen Hovden entschieden und machen uns lieber auf den Weg nach Oslo. Die Fahrtzeit ist annähernd die selbe mit dem Bus und von dort können wir mit dem Zug auch nach Kristiansand zurück fahren.

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Wie wir so da sitzen erreicht uns eine Nachricht von Vanja. Er hat es die letzten beiden Tage von der Granbustøyl bis zur Tordalsbu geschafft. Doch jetzt hat ihn der Wintereinbruch ereilt und am morgen hatte er gute 15cm Neuschnee. Nach Valle kommt er bei der Witterung nicht weiter und will nun versuchen nach Fyresdal zu kommen. Ja so ein Zufall aber auch. Ich antworte das wir dort gerade beim Frühstück sitzen und später nach Oslo wollen. Er bittet uns für ihn ein Taxi zu organisieren da sein Empfang ziemlich eingeschränkt ist.

Die Chefin der Pension mischt sich ein, da Sie mitbekommen hat das wohl irgendwas bei uns im Busch ist. Wir erklären ihr die Lage und sie gibt uns zu verstehen das wohl kein Taxi nach Tordalsbu fahren wird. Da ein Taxibesitzer in Øvre Birtedalen wohnt und bis Fyresdal bereits über 30km Anfahrt hat und der andere Taxifahrer in Krossli sitzt. Bei dem wird es ähnlich ausschauen. Die Chefin bietet an das Sie fährt aber es ganz gut wäre wenn einer von uns mitkommen würde. Ja klar, kein Problem. Ich schmeiß mich in die Crocs und wir fahren los.

Nach letzter Nachricht von Vanja ist er bereits unterwegs und glaubt in der Nähe von Kleivgrent zu sein. Aber als wir 20 Minuten später dort ankommen gibt es keine Spur. Wir fahren weiter und sehen gute 4km weiter einen dick eingepackten Wanderer auf der Strasse. Vanja ist total überrascht und freut sich kaputt wie ich aus dem Auto steige und ihm ein Taxi anbiete. Dann geht es zurück und jetzt gerade ist jemand auf der Rückbank heilfroh das er eingesammelt wurde. Denn zu Fuss hätte er eine Strecke von 30km zurück legen müsen. Unterwegs wird ihm noch angeboten die Dusche der Pension zu nutzen und ich schilder Vanja unsere weiteren Pläne. Oslo findet er auch ok und so beschließen wir noch zwei Tage in Oslo zu verbringen.

Nachdem wir in der Pension alles zusammen gepackt haben machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Denn um 13 Uhr geht unser Bus nach Oslo.

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Am späten Nachmittag erreichen wir Oslo und machen uns auf den Weg zu dem von uns zwischenzeitlich gebuchten Hotel.

Den kommenden Tag verbringen wir mit Sightseeing. Es stehen das Wikinger-  und das KonTiki Museum auf dem Plan. Das KonTiki Museum sollte jeder einmal besucht haben der in Oslo ist.

Am 16.10 geht es dann mit dem Zug zurück nach Kristiansand und mit der Fähre weiter nacht Hirtshals. Vanja begleitet uns noch. Wir haben ihm anegeboten ihn bis nach Dortmund mitzunehmen. Von dort will er dann über Köln zurück nach Basel.

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Abstecher zum Rubjerg Knude Fyr auf dem Rückweg nach Deutschland

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Hier geht es zu meinem Bericht über die Austheiane.

Da wie ich finde kaum Informationen zu dieser Wanderregion zu finden sind.

 

 

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